71-jähriger muss sich wegen Missbrauchs verantworten

Amtsgericht: Kasseler Rentner missbrauchte 15-Jährige

Kassel. „Wir hatten richtigen Sex.“ Das ist dem Angeklagten wichtig. Die Anklageschrift wirft dem 71-Jährigen Kasseler vor, er habe versucht, vor einigen Jahren an seiner damals jugendlichen Stief-Enkelin den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Gelungen seien andere sexuelle Handlungen.

Dann habe der Mann dem Mädchen 50 Euro gegeben - mit dem Hinweis: „Du sagst nichts.“ Die Anklage wirft dem Rentner außerdem vor, das Mädchen in zwei Fällen bereits missbraucht zu haben, als sie noch ein Kind war. Das sei alles gelogen, erklärte der 71-Jährige am Donnerstag im Amtsgericht. Was er getan habe, gebe er zu, betont er. So habe er es immer gehalten. Aber außer dem einen Mal „mit den 50 Euro, mit dem Sex“, kurz nach dem fünfzehnten Geburtstag des Mädchens, sei nichts gewesen.

„Einvernehmlich“ ist ein Wort, das der Mann im Zusammenhang mit den eingeräumten Vorfällen gebraucht. Nach durchzechter Nacht, „im Suff“, habe er der 15-Jährigen damals vorgeschlagen, ihr 50 Euro für Sex zu geben. Sie sei einverstanden gewesen, behauptet er: „Sie wusste, was verabredet war.“ Aus der Schule sei sie in die Wohnung gekommen. Seine Frau, die Oma, sei nicht da gewesen.

Das damalige Mädchen, heute eine junge Frau, nimmt als Nebenklägerin am Prozess teil. Sie wird am Donnerstag lange befragt. Sie berichtet, wie der Angeklagte sie schon als Kind begrapscht und befingert habe, wenn die Oma nicht da war, nicht im Raum war oder schlief.

Klare Zeiträume für die Geschehnisse kann die junge Frau kaum benennen. Sie hält es für möglich, dass sie jünger als 14 Jahre war, als der Angeklagte, versuchte, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Sie habe lang versucht, alles für sich zu behalten, sagt sie - und es zu verdrängen. Inzwischen sei es schon eine ganze Weile so, dass sie sich nur schwer erinnern könne.

Auch wann genau sie sich einer Freundin offenbarte, wann die Vorfälle schließlich ihrer Familie bekannt wurden und ob sie dann sofort zur Polizei ging, fällt ihr schwer zu rekonstruieren. Immer wieder hakt der Richter nach, hält ihr polizeiliche Vernehmungen vor, Aussagen bei einem Gutachter, in denen die Abläufe und Zeiträume offenbar unterschiedlich geschildert sind.

Als irgendwann der Verteidiger an der Reihe wäre, schlägt der vor, seine Fragen an die Nebenklägerin zu vertagen - weil diese schon mitgenommen wirke. Auch die junge Frau wünscht sich dann einen Stopp. Und so wird schließlich beschlossen, ihre Vernehmung bei einem der zwei weiteren Prozesstage fortzusetzen.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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