Atemberaubende Motorrad-Nummer

Reportage aus dem Zirkus Flic-Flac: Saltos im Zelt

Kassel. Wenn Martin Schenk auf seinem Motorrad durch die Luft wirbelt, stockt den Zuschauern am Boden der Atem. In acht Metern Höhe macht er mit seiner Maschine einen Rückwärtssalto und fliegt dabei aus dem Sattel.

Er hält sich nur noch am Lenker fest – um sich dann, als sei es eine Leichtigkeit, wieder in den Sitz zu drücken und am anderen Ende des Zirkuszelts zu landen. Der Auftritt des Motocross-Fahrers und seiner drei Kollegen - so viel steht jetzt schon fest - wird die spektakulärste Nummer beim Festival der Artisten, das am Freitag startet.

Liebt seinen Sport und Heavy Metal: Der Freestyle-Motocross-Fahrer Martin Schenk tritt bei Flic-Flac auf.

„Ich bin der Flipper unter uns vieren“, sagt Martin Schenk. Denn er wird die Backflips, also die Rückwärtsdreher in der Luft, ausführen. Der 35-Jährige aus Graz nimmt die waghalsigen Sprünge gelassen: „Das sind Basics.“ Schenk war 2004 der erste Österreicher, dem ein Backflip auf dem Motocross-Bike gelang. Dabei ist es auch im Wortsinn keine leichte Nummer: Immerhin wiegt die Maschine 100 Kilogramm. Der Trick sei, viel Gas zu geben und im richtigen Moment das Gewicht zu verlagern, erklärt der Extremsportler, der seit 15 Jahren dem FMX (Freestyle Motocross) verfallen ist.

Schenk ist in der Manege noch ein Frischling. Hier liegt die Herausforderung vor allem in der räumlichen Enge des Zirkuszelts. Da muss der Sprung zentimetergenau passen. Die durchgetakteten Choreografien seien eigentlich nicht sein Ding, verrät der 35-Jährige, dessen Herz auch für Heavy-Metal-Musik schlägt. Er macht lieber sein eigenes Ding und wagt immer wieder Neues. „Echte Freestyle-Motocrosser sind richtige Charaktere“, sagt Schenk: „Wir sind alle Wildschweine.“ Weil sich mit der spektakulären Sportart seit einiger Zeit auch gut Geld verdienen lasse, sähen einige FMX auch nur als Job. Für Martin Schenk ist es nach wie vor ein Lebensgefühl. Er fletscht die Zähne und stößt einen tiefen Schrei aus. „So halt“, sagt der Mann mit der dunklen Lockenmähne und findet sofort wieder zu seinem normalen, ruhigen Tonfall zurück.

Proben im Flic Flac

Hektik und Aufregung sind in seiner Sportart auch fehl am Platz. Höchste Konzentration ist für die halsbrecherischen Sprünge gefragt. Und ein gutes Einschätzungsvermögen, was man wagen kann und was man besser bleiben lässt. „Man muss auf seine innere Stimme hören“, sagt Schenk. Wenn nur eine Kleinigkeit bei den rasanten Motorrad-Tricks nicht stimmt, kann das schmerzhaft enden. Wie viele seiner Kollegen hat der Österreicher, dessen Verlobte seinen gefährlichen Sport akzeptiert, auch schon viele Knochenbrüche, Bänderrisse und Gehirnerschütterungen hinter sich. Erst kürzlich hat er einen Kreuzbandriss auskuriert. Trotz der Verletzungen – ans Aufhören hat der 35-Jährige noch nicht gedacht. Zu sehr liebt er den Adrenalinkick, der sich immer wieder einstellt, wenn er an seine eigenen Grenzen geht. (rud)

Rubriklistenbild: © Koch

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