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Reporter mit Herzblut: Langjähriger HNA-Redakteur Frank Thonicke ist tot

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Reporter durch und durch: Der mehrfach ausgezeichnete HNA-Journalist Frank Thonicke ist am vergangenen Montag gestorben.
Reporter durch und durch: Der mehrfach ausgezeichnete HNA-Journalist Frank Thonicke ist am vergangenen Montag gestorben. © Lothar Koch

Über viele Jahre war er einer der führenden Journalisten der Region. Jetzt ist der ehemalige HNA-Chefreporter und Leiter der Kasseler Stadtredaktion, Frank Thonicke, im Alter von 67 Jahren auf Mallorca gestorben. Dort hatte er zuletzt seinen Lebensmittelpunkt.

Kassel - Vier Jahrzehnte hat „Franky“, wie ihn viele in der Redaktion liebevoll nannten, für die HNA gearbeitet. Nach seinem Politik-, Soziologie- und Germanistik-Studium an der FU Berlin war er 1979 aus seiner Heimatstadt von der Spree an die Fulda gekommen. Zunächst war er Kasseler Lokalreporter, anschließend Ressortleiter der HNA-Sonntagszeit, dann Chefreporter und schließlich Leiter der Kasseler Lokalredaktion bis zum Eintritt in den Ruhestand vor zwei Jahren.

Thonicke war sich für keinen Reporterauftrag zu schade, kehrte nie ohne ein abdruckbares Ergebnis von einer Außenrecherche ins Verlagshaus zurück. Wenn es irgendwo Großereignisse gab, war er sofort unterwegs, bei Tag oder Nacht, sprach mit Zeugen und Nachbarn. Ob Prominente oder einfache Bürger – allen entlockte er ein Statement.

Unvergessen sind seine Berichte und Reportagen, beispielsweise vom Oder-Hochwasser, vom Mordfall Heinzerling und vom Kannibalen von Rotenburg. Die Telefonate mit dem dubiosen Versicherungsvertreter Mehmet Göker waren stets hart geführt, aber mitunter höchst unterhaltsam für alle Mithörer.

Manchmal geriet Frank Thonicke, insbesondere im Ausland, in brenzlige Situationen, von denen der zweifache Vater seiner Familie am liebsten nichts erzählt hätte. Als er 1999 über das schwere Erdbeben in Kassels Partnerstadt Izmit berichtete, musste er bei einem Nachbeben regelrecht um sein Leben rennen.

Auf HNA-Redakteur Frank Thonicke war immer Verlass

Einmalig war seine Handschrift. Frankys Notizen in einer Art Mikro-Doktorschrift konnte außer ihm niemand entziffern. Einmalig auch die Geschwindigkeit, mit der er seine Texte schrieb. Zur Not auch auf „Vorrat“. Auf die Frage „Wollen wir dies auch kommentieren?“, antwortete er gelassen: „Ist schon fertig.“ Auf Frank Thonicke war immer Verlass.

Auch wenn er stets den Eindruck von Ruhe und Gelassenheit vermittelte, konnte es doch in ihm brodeln. Es reichte, dass seine Stimme deutlicher wurde und alle Kollegen der Kasseler Stadtredaktion wussten, wo es lang ging. Sie konnten aber auch sicher sein: Frank steht immer hinter uns. Er war ein äußerst beliebter Chef, der seine Kollegen auch des Öfteren mal mit einem Eimer voller Speckmäuse versorgte. Zu jedem Sonntagsdienst brachte er Kuchen mit.

Gern schaute Thonicke auch schon mal Trash-Fernsehen, er trank Unmengen Cola Zero, war begeisterter Anhänger des 1. FC Köln und des KSV Hessen. Und er liebte das Wasser, war ein großer Schwimmer und schipperte gern mit seinem Boot die Fulle auf und ab.

Allüren waren nicht sein Ding

Allüren waren nicht sein Ding. Dabei hätte das HNA-Urgestein allen Grund gehabt, seine Leistungen hervorzukehren. Er bestand private wie gerichtliche Anfeindungen, erreichte seine journalistischen Ziele auch gegen heftige Widerstände.

Gleich zwei Mal erhielt der Reporter mit Herzblut den Wächterpreis der Tagespresse, die bedeutendste Auszeichnung für deutsche Journalisten. Jüngeren Redakteuren gab er mit auf den Weg: „Wenn man von der Sache überzeugt ist, muss man standhaft bleiben.“

Schon zwei Jahre ist es her, dass Frank Thonicke in den Ruhestand ging. Für uns HNA-Kollegen ist es in diesen Tagen so, als wäre er noch mitten unter uns. Wir trauern um einen hervorragenden Journalisten und einen guten Freund. (Jan Schlüter)

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