Die Welt wachgerüttelt

Sektion Deutschland von Reporter ohne Grenzen erhält Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“

Bei einer Demonstration zwischen Brandenburger Tor und US-Botschaft: Reporter ohne Grenzen forderten alle Kandidaten der US-Wahlen dazu auf, sich zur Pressefreiheit zu bekennen.
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Bei einer Demonstration zwischen Brandenburger Tor und US-Botschaft: Reporter ohne Grenzen forderten alle Kandidaten der US-Wahlen dazu auf, sich zur Pressefreiheit zu bekennen.

Reporter ohne Grenzen setzt sich für freien Journalismus weltweit ein. Die deutsche Sektion erhält 2021 den Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“.

Kassel – Wie der Beruf zur Lebensbedrohung wird, ist eine Erfahrung, die vor allem Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan derzeit machen. Überall auf der Welt setzen sich Medienvertreter täglich für eine freie und unabhängige Berichterstattung großen Gefahren aus.

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ unterstützt Journalisten weltweit, damit sie ihrer Arbeit gefahrlos nachgehen können. Dieses Engagement wird in diesem Jahr mit der Vergabe des 30. Kasseler Bürgerpreises „Glas der Vernunft“ gewürdigt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird der deutschen Sektion des globalen Netzwerkes verliehen.

„Wir wollen damit den Mut dieser Reporterinnen und Reporter würdigen, die einen investigativen Journalismus und eine unabhängige Berichterstattung verteidigen“, sagt Bernd Leifeld, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft.

Die deutsche Sektion der internationalen Organisation „Reporters sans frontières“, die 1985 gegründet wurde, ist seit 1994 von Berlin aus aktiv. Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit werden dokumentiert, die Öffentlichkeit wird alarmiert. Mit einem Nothilfereferat gibt sie nicht nur Opfern ein Gesicht, sondern benennt auch Täter und veröffentlicht Zensur oder den Einsatz von Überwachungstechnik.

Dabei steht der Schutz der Journalisten und ihrer Familien in ihren Herkunftsländern im Vordergrund – mit dem Ziel, dass sie ihre Tätigkeit weiterführen oder wieder aufnehmen können. Wenn es lebensbedrohlich für die Medienschaffenden wird, in den Heimatländern zu bleiben, bemüht sich das Nothilfereferat, ein sicheres Aufnahmeland zu finden.

Mit der Verleihung des Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft“ zeigt das Kuratorium des Vereins wieder einmal, dass es nah am Puls der Zeit sei, betont Leifeld. Bereits im vergangenen Jahr stand die Organisation Reporter ohne Grenzen als Preisträger fest, durch die Pandemie musste die Preisverleihung verschoben werden. Auch Vorstands- und Vereinssitzungen konnten nicht stattfinden.

Die Brisanz des Themas der Pressefreiheit und der Bedrohung von Journalisten wird aktuell in Afghanistan deutlich. Der Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, Michael Rediske, beschreibt die Lage wie folgt: „Dieser Tage ist die Arbeit von Reportern ohne Grenzen besonders herausfordernd. Alle Kraft stecken wir aktuell in unser Bemühen, Journalistinnen und Journalisten aus Afghanistan aus ihrer lebensbedrohlichen Lage zu retten.“ Die Auszeichnung sei ein besonderer Ansporn für die notwendige Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen, so Rediske.

Leifeld weist darauf hin, dass ein unabhängiger Journalismus auch in Deutschland zunehmend Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt ist. „Eine freie, unabhängige Presse ist aber eine Voraussetzung, dass Bürger sich eine Meinung bilden, besonnen urteilen und Verantwortung übernehmen können.“ Die Auszeichnung würde auch dafür verliehen, dass die Organisation mit ihrem großartigen Engagement die Welt schon oft „wachgerüttelt hat“.

Die Preisverleihung ist für den 3. Oktober im Opernhaus des Staatstheaters geplant, in welchem Rahmen diese stattfinden kann, werde zeitnah mitgeteilt.

Der Bürgerpreis „Glas der Vernunft“

Der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wurde 1990 gestiftet. Anlass war die Öffnung der innerdeutschen Grenzen im November 1989. Seitdem wurde der mit 10 000 Euro dotierte Preis 29 mal an Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Naturschützer oder auch Menschenrechts- und Hilfsorganisationen vergeben, die sich mit ihrem Wirken den Idealen der Aufklärung – Vernunft, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Überwindung ideologischer Schranken – in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Als erster Preisträger wurde der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher für seine Verdienste um die Öffnung der DDR-Grenzen geehrt. Im Stadtmuseum steht bis zu seiner Abholung der Preis für Edward Snowden, mit dem der Whistleblower für seine Bekanntgabe der Spionagepraktiken von Geheimdiensten 2016 ausgezeichnet wurde. 2019 erhielt die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie den Preis für ihren Einsatz gegen Diskriminierung und für die Stärkung des Frauenbildes. (Kirsten Ammermüller)

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