Impfkampagne

Corona in der Region Kassel: Warum die Impfungen nur schleppend vorangehen

Im Kasseler Impfzentrum könnte deutlich mehr geimpft werden, allerdings wird derzeit zu wenig Wirkstoff geliefert.
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Im Kasseler Impfzentrum könnte deutlich mehr geimpft werden, allerdings wird derzeit zu wenig Wirkstoff geliefert.

Sowohl das Impfzentrum in Kassel als auch das in Calden könnten deutlich mehr gegen Corona impfen, wenn es genügend Wirkstoff gebe. Doch genau der fehlt weiterhin.

Kassel - Der Impfstoffmangel bremst die Corona-Impfkampagne in Stadt und Kreis Kassel weiter aus. So bekam die Stadt zuletzt weniger Wirkstoff geliefert, sodass es derzeit im Impfzentrum neben dem Auestadion kaum Erstimpfungen gibt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie geht es bei den Impfungen voran? Schleppend. Nicht nur die Hausärzte vermelden weiterhin, dass sie nur wenige Impfdosen bekommen. Auch für das Kasseler Impfzentrum sind für diese und die kommende Woche stark verringerte Lieferungen angekündigt worden. Somit kann das Zentrum in der nächsten Zeit kaum Erstimpfungen durchführen, damit ausreichend Vakzin für Zweitimpfungen zur Verfügung steht. „Das ist extrem unbefriedigend. Die Menschen erwarten zu Recht zuverlässige und konstante Impfangebote – ob für die Impfzentren oder die Hausärzte – und keine erneuten Meldungen über Lieferengpässe“, sagt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle.

Ähnlich sieht das Vize-Landrat Andreas Siebert. Er prognostiziert: „Nach derzeitigem Stand wird sich die Lage beim Impfstoffmangel auch im Juni noch nicht entspannen.“

Corona-Impfungen in Stadt und Kreis Kassel: So geht es voran

Wie haben sich die Impfzahlen genau entwickelt? 99.017 Dosen wurden bisher im Kasseler Impfzentrum, von den mobilen Teams und in den Kasseler Krankenhäusern verimpft. Das sind 5756 mehr als in der Vorwoche – und doch deutlich weniger als in der Woche davor. Denn in dieser wurden 9726 Dosen verimpft. Die Impfstoffe teilen sich in dieser Woche so auf: 450 Dosen Astrazeneca, 3729 Dosen Biontech und 1577 Dosen Moderna. Der Wirkstoff von Johnson&Johnson wurde zwar angekündigt, ist aber bisher noch nicht geliefert worden.

Was sind die Gründe für den Rückgang? Dieser liegt nicht nur an fehlenden Lieferungen. Zuletzt gab es auch mehr Impfungen, weil Reserven aufgebraucht wurden, sagt Benjamin Crisolli, Pressesprecher des Hessischen Innenministeriums. Sowohl die Landesreserven seien minimiert worden als auch die in den Impfzentren. „Die Zentren hatten zuvor mehr zurückgehalten als sie mussten, daher war das möglich, erklärt Crisolli.

Wie viele Kasseler sind bisher geimpft worden? 74.417 Dosen wurden an Menschen mit Wohnsitz in der Stadt Kassel verabreicht. Darunter sind 55 166 Erstimpfungen und 19.251 Zweitimpfungen. In Calden wurden bisher etwa 80.000 Impfdosen verabreicht, etwa 20.000 Menschen hätten bereits die Zweitimpfung erhalten, sagt Vize-Landrat Siebert. Nicht in diesen Zahlen enthalten sind die bei den Hausärzten verimpften Dosen – diese werden nicht extra für Stadt und Kreis Kassel erfasst.

Und wie ist die Impfquote? Sie liegt in der Stadt bei 33,4 Prozent und im Kreis bei 25,3 Prozent, sagt Crisolli.

Wieso liegt der Kreis deutlich unter den Zahlen der Stadt? Kassel war in der ersten Zeit der Impfkampagne regionales Impfzentrum, das heißt dort wurden Impfwillige aus ganze Nordhessen geimpft, bis dann alle Zentren – also auch das in Calden – geöffnet wurden.

Wie geht es nun weiter? Da es weiter nicht ausreichend Impfstoff gibt, sind in Calden bis 2. Juni 9000 Impfungen möglich, in der Stadt sind es 5800 Impfungen.

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Wieso impft der Kreis mehr als die Stadt? Das hängt mit der demografischen Lage zusammen. In den meisten Städten in Hessen sind die Priorisierungsgruppen 1 und 2 schon durchgeimpft. Das sieht in den ländlichen Gebieten anders aus, denn dort gibt es mehr ältere Menschen. Im Landkreis Kassel gibt es beispielsweise dreimal mehr Pflegeheime als in Kassel. Diese Problematik ist nun vom Land erkannt worden. Der Kreis bekommt daher ein Sonderkontingent und damit zusätzlich 900 Impfdosen pro Tag.

Termine zur Corona-Impfungen in Kassel: Für Prio-Gruppe 1 geht es schnell

Wie werden die Termine verteilt? In den Impfgruppen 1 und 2 geht es weiter nach dem Alter – und zwar in absteigender Reihenfolge. Wer sich aus dieser Gruppe jetzt noch anmeldet, bekommt laut Ministeriumssprecher Crisolli innerhalb von sieben Tagen ein Terminangebot. Das geschieht noch recht häufig: Hessenweit melden sich aus der ersten Gruppe täglich mehrere Hundert Impfwillige an, aus der zweiten Gruppe sind es mehrere Tausend. Bei den Impfwilligen aus der dritten Gruppe, zu der in Hessen 1,5 Millionen Menschen gehören, werden die Termine zur Corona-Impfung nach dem Zufallsprinzip vergeben.

Wie haben sich die Zahlen entwickelt? 38 neue Fälle hat das Gesundheitsamt für die Stadt gemeldet, für den Kreis waren es 24. Aktuell infiziert sind in Kassel 578 Menschen (minus 35) und im Kreis 480 (minus 19). 62 Infizierte lagen gestern im Krankenhaus, 28 (von ihnen auf einer Intensivstation). (Marie Klement und Alia Shuhaiber)

Viele Menschen in Hessen und Kassel fragen sich, wann sie mit der Corona-Impfung endlich an der Reihe sind. Ein Webtool hilft bei der Berechnung des persönlichen Impftermins.

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