Neue Forschungsergebnisse

Sorgloser Umgang mit Antibiotika: Resistente Bakterien im Wasser der Fulda

Kassel. Die Einleitung von gereinigtem Wasser der Kläranlage in die Fulda führt im Fluss zu einer starken Zunahme von Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind. Was ist die Ursache?

Die starke Zunahme haben die 18-jährigen Schülerinnen der Jacob-Grimm-Schule und Jugend-forscht-Preisträgerinnen Viktoria Garmasch und Irina Bell aus Kassel anhand einer mikrobiologischen Studie festgestellt. Sie hatten für ihr Projekt die Fulda im Bereich Klärwerk untersucht.

Die Auswertung von Wasserproben ergab, dass der Anteil von antibiotika-resistenten Bakterien im Fluss unterhalb der Kläranlage auffallend erhöht ist gegenüber der Probenstelle oberhalb der Anlage. Die Menge der Bakterien vor der Kläranlage beträgt 400 Kolonien pro Milliliter, im Nachklärbecken sind es 1000 pro Milliliter und 150 Meter danach noch 650. Besonders hat sich der Anteil der Bakterien erhöht, die gegen den Antibiotika-Wirkstoff Vancomycin resistent sind: Er stieg um mehr als das Doppelte. Wuchsen im Oberlaufwasser auf Vancomycin-Nährböden von 400 Kolonien pro Milliliter 90 Kolonien, so waren es nach der Kläranlage von 650 noch 350. Vancomycin wird zur Behandlung schwerer Infektionen eingesetzt.

Fazit der Forscherinnen: „Es gibt einen deutlichen Eintrag von Bakterien mit Resistenzen, der aus den Haushalten und Krankenhäusern Kassels stammt.“

Gelangen die Bakterien über das Wasser in den menschlichen Organismus, kann das dazu führen, dass ein Antibiotikum im Ernstfall nicht wirkt.

„Das Ergebnis ist keine Überraschung“, sagt Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt Region Kassel. Es verdeutliche ein Problem, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „größte Bedrohung weltweit“ bezeichne: den unkritischen Umgang mit Antibiotika. Dies sei kein Problem der Kasseler Kläranlage, die eine der besten Deutschlands sei.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa/dpaweb

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