Täter sitzt nun in Sicherungsverwahrung

Resolute 10-Jährige entging knapp einer Vergewaltigung

Kassel. Nur weil ein zehnjähriges Mädchen sich resolut und richtig verhielt, entging es offensichtlich einer Vergewaltigung. Ein 51 Jahre alter Mann hatte es im Mai 2014 in der Kasseler Seebergstraße mit den Worten „Willst du dir fünf Euro verdienen?“ angesprochen.

Das Mädchen hatte daraufhin die Straßenseite gewechselt und laut und deutlich „Nein“ gesagt. Der Mann gab schließlich sein Ansinnen auf.

Was das Mädchen nicht wissen konnte: Der Mann ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter und war erst zwei Monate zuvor aus Sicherungsverwahrung freigekommen.

Die Jugendschutzkammer am Landgericht Kassel schickte den 51-Jährigen jetzt für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Begründung: Er verstieß gegen Weisungen, während er unter Führungsaufsicht stand. Er bleibt jetzt in Sicherungsverwahrung. Nur weil das Mädchen sich genau richtig verhalten habe, wie Richter Dreyer lobte, ist aus Sicht der Staatsanwältin Dr. Susanne Sprafke nicht mehr passiert. Der Mann habe „schon unmittelbar zur Tat angesetzt“ gehabt, sein Vorgehen habe zu sexuellen Handlungen an dem Schulmädchen führen sollen. Das schloss die Anklagevertreterin aus der Vorgeschichte des Angeklagten: Als 27-Jähriger war er zum ersten Mal wegen Vergewaltigung verurteilt worden, später folgten weitere Strafen, auch wegen sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Erst zwei Monate vor der angeklagten Tat, Ende März 2014, war der Mann nach 13 Jahren aus der Sicherungsverwahrung auf Bewährung entlassen worden. Am 23. Mai 2014 sei er wieder „planmäßig und hartnäckig“ vorgegangen, um das Kind in der Seebergstraße in seinen Mietwagen zu locken. Das sah die Staatsanwältin als erwiesen an und hatte deshalb eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung für den „Hangtäter“ gefordert. Ein vom Gericht bestellter Gutachter diagnostizierte bei ihm eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit pädophiler Neigung.

Der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt inhaftierte 51-Jährige hatte sich noch am Tattag im Gespräch mit seiner Bewährungshelferin ansatzweise offenbart, was diese vor Gericht als „Hilferuf“ wertete. „Mein Mandant hatte sich noch so weit im Griff, dass er die Grenzen nicht überschritten hat“, argumentierte der Verteidiger. Er plädierte deshalb auf neun Monate Freiheitsentzug.

Die Jugendschutzkammer konnte nur einen Verstoß gegen die Weisungen während der Führungsaufsicht als Straftat erkennen, „das unmittelbare Ansetzen zum Versuch“ habe gefehlt. Zwei Tage vor dem Geschehen in der Seebergstraße war dem Mann schriftlich die Auflage zugestellt worden, dass er keinen Kontakt zu unter 18-Jährigen knüpfen dürfe.

Nach Verbüßen der eineinhalbjährigen Haftstrafe wird der Verurteilte in Sicherungsverwahrung bleiben, aus der er ja im März vergangenen Jahres nur zur Bewährung entlassen worden war. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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