Rügener Restaurant sperrt Kinder ab 17 Uhr aus

Kinderlose Restaurants: Kasseler Gastronomen lehnen Regelung ab

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Im Familienrestaurant „Lulu“ sind Kinder ausdrücklich erwünscht. Die fünfjährige Luna lässt sich von Küchenchef Niklas Ludwig gerne bedienen. 

Kassel. Ein Gastwirt in Binz auf Rügen lässt abends keine Kinder mehr in sein Restaurant. Kasseler Gastronomen kritisieren die umstrittene Entscheidung - aber auch das Verhalten mancher Eltern.

Das Restaurant „Oma’s Küche“ auf Rügen hat zuletzt für hitzige Diskussionen gesorgt. „Restaurant sperrt Kinder aus“ und „Kinder müssen draußen bleiben“ titelten die Medien bundesweit. Weil der Inhaber seine Gaststätte nach 17 Uhr zu einer „kinderfreien Zone“ erklärt hat, wurde er vor allem im Netz heftig kritisiert. Wir haben Kasseler Gastronomen gefragt, was sie von dem Verbot halten – und ob eine „Adult-only“-Regelung für sie in Frage käme.

„Uns haben schon mehrere Leute gefragt, ob wir Kinder auch noch nach 17 Uhr reinlassen“, sagt Tanja Granovich. Vor wenigen Tagen hat sie gemeinsam mit ihrem Mann das Familienrestaurant Lulu an der Wilhelmshöher Allee eröffnet. Ein Restaurant, in dem Eltern und Kinder ausdrücklich erwünscht sind.

„Familie ist nicht nur Mama und Papa“, sagt Ivan Granovich. Für das Vorgehen des Wirts auf Rügen habe der gelernte Restaurantfachmann kein Verständnis: „Das ist absoluter Quatsch. So etwas kann nur von jemandem kommen, der keine Kinder hat.“

Dieses Video stammt nicht von hna.de, sondern von Sat.1 und der Video-Plattform Glomex.

Eine „Adult-only“-Regelung wie in „Oma’s Küche“ auf Rügen käme für Sven Wolf, Chef des Sterne-Restaurants Voit im Vorderen Westen, nicht in Frage. „Klar denkt man sich in manchen Fällen auch mal: Oh Gott, was könnten jetzt die anderen Gäste denken. Aber dann spricht man eben mit den Eltern.“ Die Kinder seien nun mal die „Gäste von morgen“, so Wolf. „Und die müssen lernen, wie man richtig am Tisch sitzt und das Essen vernünftig zu sich nimmt.“

Carsten Ragnit, Direktor des 4-Sterne-Hotels Gude, zu dem das Restaurant Pfeffermühle gehört, geht sogar noch weiter. Er hält das „Kinderverbot“ auf Rügen für einen „gefährlichen Ansatz“: „Was kommt denn als nächstes? Dass man bestimmte Nationalitäten ausschließt, weil sie am Tisch zu laut reden? Wenn das weiter die Runde macht, könnte das zu einem gefährlichen Kreislauf werden“, so Ragnit. In der Pfeffermühle habe man grundsätzlich keine Probleme mit störendem Nachwuchs. „Wir wirken dem aber auch entgegen, indem wir Mal-Utensilien oder andere Beschäftigungen für Kinder anbieten“, sagt Ragnit. Der Gastronom ist sich sicher: „Mit einem solchen Verbot würden wir uns das Geschäft kaputtmachen.“

Barbara Stöcker, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Kassel, erklärt sich Verbote wie das auf der Insel Rügen mit einer veränderten Beziehung zwischen Eltern und Kindern: „Es gibt heute vermehrt Eltern, die einfach viel erlauben, weil sie besonders liebevoll und locker sein möchten. Und darunter müssen andere dann manchmal leiden.“ Nichtsdestotrotz sei die Altersbegrenzung ab 17 Uhr „kinderfeindlich“. „Ich selbst würde nicht in so ein Restaurant gehen“, sagt Stöcker.

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