Verein hat Pachtvertrag mit Gastronom Krasenbrink gekündigt

Schloss Schönfeld: Aus für das Restaurant im Park

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Seit Anfang der Woche geschlossen: Für die Betreiber des Restaurants Park Schönfeld im historischen Schlösschen ist es finanziell so eng geworden, dass der Schloss-Verein jetzt den Pachtvertrag gekündigt hat.

Kassel. Eine der exklusivsten Restaurant-Adressen Kassels ist bis auf Weiteres geschlossen: Der Trägerverein des Schlosses Schönfeld hat mit sofortiger Wirkung den Pachtvertrag mit der Gastronomenfamilie Krasenbrink aufgelöst.

Hintergrund der Kündigung sind offenbar wirtschaftliche Schwierigkeiten der Restaurantbetreiber.

Hermann Krasenbrink

Jetzt werde ein neuer Pächter gesucht, teilte Vereinspräsident Dr. Thomas Schlegel am Dienstag mit: „Wir sind zuversichtlich, in kurzer Zeit eine gute Lösung zu finden.“ Die Entscheidung muss kurzfristig gefallen sein, denn am Wochenende war das Restaurant noch geöffnet. Am Dienstag war bereits kein Zugriff auf dessen Internetseite mehr möglich, Pächter Hermann Krasenbrink junior war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Seine gehobene Kochkunst war sicher kein Trennungsgrund: Krasenbrink jr. hat in Top-Häusern wie der „Traube Tonbach“ in Baiersbronn gelernt und im Schloss Schönfeld zeitweise hohe Bewertungen in Gastro-Führern wie dem Guide Michelin erreicht.

So jemanden wollten führende Persönlichkeiten aus Kassels Wirtschaft und Gesellschaft im Hause haben, nachdem sie bis 1992 das marode Schlösschen mit viel eigenem Geld saniert hatten. Vater Hermann Krasenbrink, selbst renommierter Küchenmeister, wechselte aus Westfalen nach Kassel, im Jahr 1997 übernahm dann nach kulinarischen Stationen in Straßburg und Lüttich der Sohn.

Wirtschaftliche Probleme

Im Schlösschen scheint das Problem beim Betriebsmodell zu liegen, wie Kenner der Szene seit Längerem kolportieren: Ein Schwerpunkt der hauseigenen Gastronomie ist die Bedienung von Veranstaltungen, die etwa Serviceclubs wie Lions und Rotary in dem historischen Gebäude veranstalten. Dagegen schwächelt das À-la-carte-Geschäft mit regulären Restaurantgästen.

Das kostspielige Wirtschaften mit erlesenen Produkten und Weinen wird durch die Aufträge der Clubs gleichsam subventioniert. Als eigenständiges Restaurant, so sagen Fachleute, funktioniere das Schlösschen schon seit Jahren ökonomisch nicht mehr.

Nun ist offenbar ein Punkt erreicht, an dem die Schlossherren die Notbremse ziehen mussten, wenn sie statt eines Küchenmeisters nicht einen Insolvenzverwalter in ihren herrschaftlichen Räumen haben wollen. Vereinspräsident Schlegel spricht von einer Entwicklung, die „in letzter Zeit recht dramatisch“ gewesen sei.

Schlegel verweist darauf, dass regelmäßige und gebuchte Veranstaltungen im Schlösschen bis auf Weiteres vom Restaurant Pfeffermühle im Hotel Gude beliefert würden. „Ich bin kurzfristig gefragt worden“, bestätigte gegenüber der HNA Hotelchef Ralf Gude, ebenfalls Mitglied im Schlösschen-Verein. Auf die Frage, ob er sich auch vorstellen könne, den Restaurantbereich im Schlösschen weiterzuführen, sagte Gude: „Das ist im Augenblick nicht geplant.“ Der Aufwand, eine so ambitionierte Gastronomie zu betreiben, sei nicht zu unterschätzen. Er wolle sich auf sein eigenes Haus konzentrieren, in dem größere Umbauarbeiten anstünden.

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