Der Kasseler Grafikdesign-Student Jonas Buntenbruch hat seine Abschlussarbeit der Stulle gewidmet

Der Retter der belegten Brote

Ein Herz für Stullen: Der Kasseler Kunsthochschul-Absolvent Jonas Buntenbruch (27) hat ein Buch über belegte Brote geschrieben und gestaltet. Inzwischen hat er auch einen Cateringservice „Stulle & Gut“. Foto: Zgoll

Kassel. Auch Jonas Buntenbruch ist der Stulle schon untreu geworden. „Es gab eine Phase in der Schulzeit, da fand ich belegte Brote doof“, sagt der 27-Jährige, der in Baunatal aufgewachsen ist. Heute lässt der Absolvent der Kasseler Kunsthochschule nichts mehr auf Butterbrot und Co. kommen. Der Grafikdesigner hat sogar seine Abschlussarbeit der Stulle gewidmet.

Entstanden ist ein 260-seitiges Buch mit vielen appetitmachenden Illustrationen, das die „kulinarische und gesellschaftliche Stellung“ des belegten Brots untersucht und seine Geschichte beleuchtet. Seinen Abschluss in Visueller Kommunikation hat der Meisterschüler nun mit Auszeichnung in der Tasche, jetzt sucht der Kasseler einen Verlag für sein Werk.

Unterschätzter Pausensnack

„Die Stulle ist der Underdog der Pausensnacks“, sagt Jonas Buntenbruch. „Belegte Brote sind zu Unrecht als uncool und spießig gebrandmarkt.“ Stattdessen hält der Kasseler sie für eine gesunde Alternative zu „aufgeblasenen Industriebrötchen“, die es heute an jeder Ecke gebe. Der 27-Jährige, der inzwischen als freiberuflicher Grafikdesigner arbeitet und den Bio-Catering-Service „Stulle & Gut“ gemeinsam mit Susanne Wegerich betreibt, wünscht sich eine Renaissance des Broteschmierens. Er selbst schwört auf Butterbrot mit Salz und Kresse oder Ahle-Wurscht-Brot mit Radieschen und Petersilie.

Die Stulle sei ein deutsches Kulturgut, sagt Buntenbruch, der eineinhalb Jahre Arbeit in sein Buch gesteckt hat und dafür sogar ein Praktikum beim Bäcker absolvierte. Erstmals erwähnt wurde das Butterbrot im Jahr 1339 als letzter Gang eines Festmahls in Bremen. Mit der verbesserten Schneidbarkeit des Brots und der Konservierung von Butter wurden dann die Voraussetzungen für den Siegeszug der Stulle ab dem 15. Jahrhundert geschaffen, erklärt der Kunsthochschul-Absolvent. Das geschmierte Brot wurde zur Mahlzeit der arbeitenden Bevölkerung.

Das typisch deutsche belegte Brot hat auch Geschwister im Ausland. Auf den Sandwich als englische Version der Klappstulle geht Buntenbruch in seinem Buch ebenso ein wie auf belegte Bagels, die ihren Ursprung in der jüdischen Kultur Osteuropas haben und durch die Einwanderung Einzug in den USA hielten.

Dass die gute alte Stulle in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend unpopulär geworden ist, muss nicht ihren endgültigen Niedergang bedeuten, glaubt der Kasseler. In der heutigen schnelllebigen Zeit gebe es einen Trend zu bewusster Ernährung und Nachhaltigkeit. Darin sieht er die Chance des belegten Brots aus guten Zutaten. Auch in einem Blog im Internet will Jonas Buntenbruch bald der Stulle wieder zu mehr Wertschätzung verhelfen. www.stulleundgut.de

Im Präsidium der Uni, Mönchebergstr. 19, ist noch bis 24. Januar eine Ausstellung von Jonas Buntenbruch über sein Stullenprojekt zu sehen.

Von Katja Rudolph

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