Einer von 25 Einsatztauchern

Retter unter Wasser: Sebastian Ranft ist einer von vier neuen Feuerwehrtauchern in Kassel

Einer von 25 Feuerwehrtauchern aus Kassel: Der 28-jährige Sebastian Ranft hat kürzlich die notwendige Prüfung absolviert. Der gingen sechs intensive Wochen mit Lehrgängen voraus.
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Einer von 25 Feuerwehrtauchern aus Kassel: Der 28-jährige Sebastian Ranft hat kürzlich die notwendige Prüfung absolviert. Der gingen sechs intensive Wochen mit Lehrgängen voraus.

Sebastian Ranft schwimmt seit seiner Kindheit gern. Diese Affinität hat den Einsatzbeamten der Kasseler Berufsfeuerwehr auf die Idee gebracht, eine Ausbildung zum Feuerwehrtaucher zu machen.

Kassel – Die Ausbildung hat er mit drei weiteren Kollegen gemacht, mit denen er nach sechs intensiven Lehrgangswochen die Prüfung kürzlich absolviert hat. Insgesamt sind jetzt etwa 25 der 260 Einsatzbeamten der Berufsfeuerwehr zum Taucher ausgebildet. Sie werden gerufen, wenn es in Nordhessen zu einem Badeunfall gekommen ist. Dass Menschen in Seen und Flüssen ertrinken, kommt immer wieder vor. Das liege wohl auch daran, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen, sagt Ranft.

Im Mai 2017 suchten die Rettungskräfte tagelang nach einem 33-jährigen Flüchtling aus dem Irak, der im Bugasee ertrunken war. Für Erschütterung sorgte das Verschwinden eines fünfjährigen Mädchens im Februar 2019. Das Kind war in Guxhagen in die Fulda gefallen. Erst vier Monate später tauchte die Leiche des Mädchens in der Fulda bei Fuldabrück-Bergshausen wieder auf.

Wenn jemand in der Fulda untergegangen ist, die Feuerwehrleute sprechen da von „abgetrunken“, dann sei es schwer abzuschätzen, wohin der Körper getrieben werde, sagt Ranft. Das liege an der Strömung im Fluss. Dem 28-Jährigen, der verheiratet ist, eine zwölf Wochen alte Tochter hat und der in Wolfhagen lebt, ist allerdings kein Fall bekannt, bei dem eine vermisste Person in der Fulda oder im Bugasee nicht wieder gefunden worden wäre.

Anders sei das im Bodensee, so Ranft. Dort werden um die 100 Tote vermutet, die nie aufgetaucht sind. Das liegt auch an der Tiefe des Bodensees, zum Teil bis 250 Meter. Dort läuft der Verwesungsprozess, der zum Aufsteigen der Leichen führt, wegen der Kälte nur sehr langsam. Ist eine Leiche erst einmal in eine Tiefe von 40 bis 50 Meter abgesunken, taucht sie meist nie wieder auf.

Solche Tiefen gibt es in Nordhessen nicht. Ranft und seine Kollegen sind dafür ausgebildet, bis in 30 Meter Tiefe nach Vermissten zu tauchen. In dem Lehrgang mussten sie 50 Tauchgänge machen, bevor sie die Prüfung ablegen durften. Zuvor wurde bei allen Teilnehmern die körperliche Eignung für das Tauchen in einer arbeitsmedizinischen Untersuchung überprüft und eine Probeschleusung in einer Druckkammer durchlaufen. Zudem mussten alle das Rettungsschwimmabzeichen in Silber machen.

„Wir haben mit den Tauchgängen im Auebad angefangen und uns dann langsam gesteigert, sagt Ranft. Tauchgänge gab es zum Beispiel in der Fulda (6 bis 8 Meter), im Bugasee (10 Meter) und im Edersee, der an der tiefsten Stelle mit 42 Metern für die Taucher von der Feuerwehr schon zu tief ist.

Hat es Angst vor dem Unbekannten in der Tiefe gehabt? „Hier gibt es ja keine großen Fische“, sagt Ranft. „Der Wels ist am größten. Der hat mehr Angst vor uns Menschen.“ Zudem sei man ja mit einer Leine gesichert. Im Lehrgang wurde den Feuerwehrleuten auch eine Technik gezeigt, wie man im Ernstfall eine Wasserleiche an die Oberfläche befördern kann, ohne ihr lange ins Gesicht schauen zu müssen. Natürlich haben die Teilnehmer nur Dummys gerettet.

Einen Taucheinsatz hatte Ranft noch nicht. Deshalb konzentriert er sich auf die tägliche Arbeit: Er wird zu Bränden, Unfällen und Hochwasser gerufen und im Rettungsdienst eingesetzt. „Zudem bereiten wir uns immer wieder auf das vor, was passieren kann“, so der 28-Jährige. „Aber eigentlich wollen wir auf der Wache bleiben, denn dann geht es unseren Bürgern gut.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

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