Gedenktafel im Jugendseeheim Sylt erinnert an ihn

Der Retter ist unvergessen: Vor 50 Jahren starb der Polizist Georg Morell

Aus der Hessischen Allgemeinen vom 24. Juli 1961: Am Tag nach dem Tod von Georg Morell bestimmte das tragische Schicksal des Kasseler Polizisten die Schlagzeilen.

Mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis und der Stadt Kassel haben schon einmal Ferien im Jugendseeheim Sylt gemacht. Vor 50 Jahren kam es dort zu einem tödlichen Unfall. Der Kasseler Polizist Georg Morell starb, nachdem er einen 14-Jährigen vor dem Ertrinken gerettet hatte.

Sommer, Sonne, Ferien im Jugendseeheim auf Sylt. Es hätte ein herrlicher Tag am Strand werden können. Mit einer Einschränkung: Weil der Seegang gefährlich hoch war, hatte die Heimleitung ein Badeverbot ausgesprochen.

Als der Kasseler Polizist und Rettungsschwimmer Georg Morell mit seinem Kollegen Hermann Jordan den Strandabschnitt kontrollierte, sah er gleich, dass etwas nicht stimmte. Mehrere Jugendliche waren im Wasser, einen trieb die Strömung gefährlich weit hinaus. Die beiden Polizisten sprangen sofort ins Meer. Mit letzter Kraft brachten sie den 14-jährigen Jungen ans Ufer. Dann wurden auch die beiden Retter von einer Welle erfasst. Hermann Jordan schaffte es völlig erschöpft zurück zum Strand. Georg Morell kämpfte weiter mit der aufgewühlten See.

Am Strand waren weitere Helfer hinzugekommen. Sie schossen mit einer Rakete ein Seil in Richtung Georg Morell. Daran sollte er sich festhalten. Was dann geschah, bezeichnete die Kriminalpolizei Westerland später in ihrem Bericht als ein besonders tragisches Unglück. Das Seil, mit dem Georg Morell gerettet werden sollte, schlang sich um den Hals des erschöpften Mannes. Er hatte keine Chance, der Retter kam in der Nordsee ums Leben. Das war vor 50 Jahren, am 23. Juli 1961.

Erinnerung an den Retter: Diese Tafel steht auf dem Gelände des Jugendseeheims.

Georg Morell wurde nur 40 Jahre alt. Er hinterließ seine Frau und zwei Kinder. Bei seiner Beerdigung auf dem Harleshäuser Friedhof sagte der damalige Kasseler Bürgermeister Karl Branner, dass Georg Morell sein Leben für seine Mitmenschen eingesetzt habe. Die HNA hat versucht herauszufinden, was aus der Familie geworden ist. Vergeblich. Alle Morells, mit denen wir telefoniert haben, kennen die Geschichte, doch keiner ist mit der Familie des Polizisten verwandt.

Der Name Georg Morell ist insbesondere im Jugendseeheim auf Sylt unvergessen. Auf dem Gelände im Klappholttal steht eine Gedenktafel, die an den tragischen Tod des Retters erinnert. „Jede neue Gruppe bekommt eine Einführung mit den Baderegeln“, sagt Seeheimleiter Manfred Horn. Dabei werde eindringlich auf die Gefahren durch Seegang und Strömungen hingewiesen. Das Schicksal von Georg Morell sei eine Mahnung. Damals wie heute sichern Rettungsschwimmer aus Nordhessen den Strandabschnitt. Sie kommen von der DLRG, der Polizei und der Feuerwehr. Eine Praxis, die sich bewährt hat. Während es auf der übrigen Insel Jahr für Jahr Badeunfälle mit teilweise tödlichem Ausgang gibt, blieben Gäste des Jugendseeheims an ihrem Strand seit 1961 verschont. „Ich glaube, dass wir das auch Georg Morell zu verdanken haben“, sagt Heimleiter Horn.

Von Thomas Siemon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.