Horst Weber geht nach 44 Jahren beim ASB in den Ruhestand

Er rettete viele Leben

Herzmassage mit Hundepuppe Scherry: Horst Weber verlässt nach 44 Jahren beim ASB seinen Arbeitsplatz. Foto: Nicklas

Mitte. Er lacht, wenn er von der Geschichte erzählt, die er schon so oft erzählt hat. Und dann rutscht sein weißer Schnurrbart immer ein Stückchen nach oben. Mit nordhessischem Dialekt erzählt Horst Weber von dem Patienten mit der kleinen Brandverletzung, der sich den Arm brach, weil er den Sanitätern von der Trage fiel. Er kichert. „So etwas passiert aber sehr selten“, schiebt der 64-Jährige schnell hinterher.

Zehn Jahre hat er als Rettungssanitäter gearbeitet. Die täglichen Einsätze seien aber weniger zum Lachen gewesen. „Ich habe viel Schlimmes gesehen“, sagt der Baunataler mit ernster Miene. Bei seinen Kollegen konnte er sich immer alles von der Seele reden, eine psychologische Betreuung gab es damals noch nicht. Jetzt geht er nach 44 Jahren beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in den Ruhestand.

Rettung aus höchster Not

Später wurde er Erste-Hilfe-Ausbilder, unterrichtete Führerscheinanwärter, Eltern in „Notfall-Kind-“ und Hundebesitzer in „Notfall-Hund-Kursen“. „Es ist doch erschreckend, wenn man sieht, wie viele Menschen an Unfallstellen nichts tun“, sagt Weber und schüttelt den Kopf. Der gelernte Kfz-Mechaniker erinnert sich an ein 14-jähriges Mädchen, das er in der Schule unterrichtet hat und später seiner Mutter das Leben rettete, weil es den Notruf betätigte und erste Wiederbelebungen unternahm. Solche Geschichten machen ihn glücklich. „Und wenn ich von 100 nur einen rette, ist es die Sache wert“, sagt er und lächelt zufrieden.

Seit Januar ist der 64-Jährige im Ruhestand, macht aber trotzdem weiter – ehrenamtlich. „Wenn man 50 Jahre gearbeitet hat, kann man nicht einfach von heute auf morgen aufhören“, sagt er, während er sich die Krawatte zurechtrückt – ASB steht in roter Schrift darauf.

40 Jahre lang hat er Erste-Hilfe-Kurse gegeben, 3000 Teilnehmern pro Jahr Verbandanlegen, Herzmassagen und Mund-zu-Schnauze-Beatmung beigebracht. „Da habe ich bald die ganze Stadt durch“, sagt der gut gelaunte Brillenträger. Auch im Fernsehen war Horst Weber schon zu sehen: In der Hessenschau hat er gezeigt, wie man richtig rettet. Krankenhausserien hingegen findet er furchtbar, guckt sie aber ab und zu, nur um mitreden zu können, sagt er augenzwinkernd.

Die Sonne scheint durch die Jalousie: „Schön“, sagt er. Jetzt möchte der jung gebliebene Pensionär wieder mehr Zeit in seinem Garten mit den vielen Obstbäumen verbringen. „Ein Rentner, der nichts mehr mit sich anzufangen weiß, der bin ich nicht“, sagt er zum Schluss und nickt. (pmn)

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