Wettlauf gegen die Zeit

Rettungsübung des DRK auf dem Hohen Gras: Ernstfall für angehende Notfallsanitäter 

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Abtransport: Rebecca Gassen (links) und Kathrin Hillebrand ziehen den Rettungsschlitten mit der Verletzten. 

Kassel. Eine Schlittenfahrerin fährt am Hohen Gras gegen einen Baum, bricht sich das Bein und den Arm. Mit dem Handy setzt sie einen Notruf ab. So das Szenario.

Zum Glück handelt es sich bei diesem Einsatz nur um eine Übung. Mit diesem Szenario Unfall beim Schlittenfahren waren am Dienstag neun Auszubildende aus den nordhessischen DRK-Kreisverbänden konfrontiert, die an der Rettungsdienstschule Kassel derzeit ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren. Die Rettungsübung ist Teil der Ausbildung.

In der Rettungswache Firnsbachtal unterhalb des Skilifts erhalten die angehenden Retter von der Leitstelle die über das Handy der Verletzten ermittelten GPS-Koordinaten. Anhand der Daten und einer Karte macht sich ein erster Rettungstrupp zu Fuß auf den Weg. „Gerade im Winter ist es das Wichtigste, die Verletzte schnell zu finden, zu versorgen und warm zu halten“, sagt Auszubildende Rebecca Gassen vom DRK Kassel. Sie gehört dem Transporttrupp an, der in der Rettungsstation wartet, bis er vom ersten Trupp angefordert wird. Bei Minus zwei Grad Celsius ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.

Nach einer Dreiviertelstunde haben Anne Klein, Dag Wohlgemuth und Theresa Wied die Verletzte – gespielt von Alina Beier – gefunden. Sie machen sich ein Bild über die Verletzungen, die Umgebung und ordern den Transporttrupp mit dem Rettungsschlitten. Sie schienen die Brüche und packen die Verletzte in eine Rettungsdecke, um sie warm zu halten. „Es ist unglaublich kalt“, sagt Alina Beier, von der unter der Rettungsdecke nur die Augen zu sehen sind. Immer wieder sprechen die Auszubildenden sie an, fragen nach alltäglichen Dingen wie Schule, Familie und Hobbys. „Die ständige Ansprache ist wichtig, um die Verletzte wach zu halten und zu beruhigen“, sagt Ausbilder Dirk Röser. Er begleitet den Voraustrupp. 

Orientierung: Lisa Schneider (von links), Lukas Paul und Johannes Seidl versuchen, anhand von GPS-Daten und Karte die Verletzte zu finden.

Für die Auszubildenden kommt es bei der Übung darauf an, ihr theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen, die Notfallausrüstung anzuwenden und die Aufgaben sinnvoll innerhalb des Teams zu verteilen. Ein besonderes Augenmerk liegt laut Ausbildungsleiter Manuel Wilm auf Teamkommunikation und Teamarbeit. Vier Wochen lang hat er die Übung vorbereitet und die beiden Nächte davor kaum geschlafen – vor Anspannung. Der Transporttrupp hat die Unfallstelle inzwischen erreicht. Gemeinsam heben die Retter die Verletzte auf den Schlitten und bringen sie zur Rettungswache. Von dort kann sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Auszubildenden haben ihre Aufgabe erfolgreich abgeschlossen und wärmen sich am Ofen in der Rettungsstation. Sie sind die ersten in der Region nach der bundesweiten Neuregelung der Ausbildung, die nach drei Jahren im Sommer ihren Abschluss machen. Vor der Hütte bereitet Ausbildungsleiter Wilm – inzwischen entspannt – das Feuer für das Abschlussgrillen vor. Unterstützt wurde die Rettungsdienstschule Kassel bei der Übung von der DRK-Bergwacht Neuenstein, die die Ausrüstung zur Verfügung gestellt hat. Im Frühjahr soll nach 20 Jahren auch in Kassel wieder eine DRK-Bergwacht gegründet werden mit einer ganzjährigen Bereitschaft in der Firnsbachtalhütte.

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