Fachraumzentrum gefordert

Prekäre Raumsituation an Reuter-Schule in Kassel - Gebäude weist weitere Schäden auf

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Der Trakt der Paul-Julius-von-Reuter-Schule an der Gießbergstraße ist seit April geschlossen. 

Kassel. In der Paul-Julius-von Reuter-Schule an der Schillerstraße spitzt sich die Raumnot zu. Grund ist der seit April des Jahres geschlossene Schultrakt an der Gießbergstraße.

Weil sich die Decken in diesem südlichen Gebäudeteil aus dem Jahr 1946 als nicht mehr tragfähig herausgestellt haben, wurde der Gebäudeflügel vom Schulträger, der Stadt Kassel, kurzfristig per Notfallmaßnahme geschlossen.

Jetzt droht eine weitere Verschlimmerung der prekären Raumsituation, denn ein nächster Gebäudetrakt der Reuter-Schule – an der Schillerstraße – weist ebenfalls Schäden auf. Nach Informationen der HNA senkt sich der Gebäudeteil. Risse sind bereits im und am Schulgebäude zu erkennen. Zwar sei die Situation noch nicht so dramatisch, dass eine Sperrung drohe, dennoch stehe außer Frage, dass mittelfristig eine Sanierung erfolgen muss, so Schulleiter Karl-Friedrich-Bätz.

Insgesamt wird die Berufsschule von mehr als 1930 Schüler in 86 Klassen besucht. Von der vorsorglichen Sperrung des Gebäudes an der Gießbergstraße sind elf Schulklassen sowie zwischen 200 und 300 Berufs- und Fachoberschüler betroffen.

Wegen einer Amokdrohung: Anfang der Woche musste die Reuter-Schule geräumt werden.

Notsituation droht

Nach der Stilllegung des Gießbergstraßen-Trakts hat man in dem großen Schulgebäude kurzfristig Ausweichräume einrichten können. Es droht aber eine Notsituation, wenn jetzt ein weiterer Trakt nicht mehr für den Unterricht zur Verfügung stehen sollte. In dem betroffenen Trakt befinden sich zahlreiche Klassen- und IT-Räume, die von der gegenüberliegenden Martin-Luther-King-Schule genutzt werden.

Die Reuter-Schule hat dort 15 Klassen- und Fachräume sowie zahlreiche Nebenräume. „Der Verlust der beiden Trakte würde für uns einen Verlust von 40 aktiv genutzten Räumen bedeuten“, so Bätz. Diese Räume könnten an keiner Stelle aus dem Bestand ersetzt werden. Bätz: „Das sind keine rosigen Aussichten.“ Das Kollegium der Reuter-Schule hat deshalb eine Resolution verfasst, in der es zeitnah eine umfassende Sanierung der Schule und den Neubau des jetzt geschlossenen Gebäudeteils fordert. In dem Zusammenhang schlägt die Reuter-Schule im Schulterschluss mit den weiteren Schulen des Berufsschulzentrums Schillerstraße, MKS und Arnold-Bode-Schule, den Bau eines Fachraumzentrums auf dem Geländer der Reuter-Schule als Ersatz vor. „Spätestens wenn der andere Trakt auch geschlossen wird, benötigen wir ein Ausweichquartier“, so Bätz.

Unterstützung bekommen die Schulen von den Linken. „Wir schließen uns den Forderungen der Schulen an“, sagt Lutz Getzschmann, Fraktionsvorsitzender der Kasseler Linke: „Hier reicht es nicht, einzelne Stellen aufzubessern. Die Stadt muss handeln und kann die Chance nutzen die Infrastruktur der Schule an den heutigen Anforderungen einer Bildungseinrichtung auszurichten.“ Die Kasseler Linke werde einen entsprechenden Haushaltsänderungsantrag einbringen.

Von der Stadt gab es keine Informationen zum Stand der Sanierungsarbeiten.

Wer war eigentlich Paul Julius von Reuter?

Hinter dem Namen Reuter steckt nicht nur ein Schulname, sondern ein weltbekannter Unternehmer: Baron Paul Julius Freiherr von Reuter (geboren 1816 in Kassel, gestorben 1899 in Nizza) hieß eigentlich Israel Beer Josaphat und war ein kreativer Geschäftsmann. Bekannt ist er vor allem als Begründer der Nachrichtenagentur „Reuters Telegraphic Comp. Incorporated“. Der Sohn eines Rabbiners lebte seit 1840 in Berlin und verlegte Broschüren – was 1848 gefährlich wurde, als nach der gescheiterten Revolution die preußische Obrigkeit die Zügel anzog. Josaphat, der sich 1845 hatte taufen lassen und nun Reuter hieß, ging wie viele demokratisch gesinnte Deutsche ins Exil. Seine Nachrichtenagentur begann er mit 45 Brieftauben.

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