E-Rezept soll 2022 kommen

Kampf gegen Versandriesen: Kasseler Apotheken wollen Lieferservice ausbauen - auch über Corona-Krise hinaus

Versandzentrum der Einhorn-Apotheken am Entenanger Kassel: Von links Apotheker Alexander Schmidt-Hellwig (Einhorn-Apotheken), Apothekerin Anke Stephan und PTA Adela Kosuta.
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Die frühere Martins-Apotheke am Entenanger ist jetzt Versandzentrum: Von links Apotheker Alexander Schmidt-Hellwig (Einhorn-Apotheken), Apothekerin Anke Stephan und PTA Adela Kosuta.

Eigentlich wurde der Lieferservice aus der Corona-Not geboren, doch jetzt wollen die Einhorn-Apotheken den Service beibehalten - und sogar ausbauen.

Kassel – Die bisherige Martins-Apotheke am Entenanger gehört jetzt zur Gruppe der Einhorn-Apotheken mit Standorten am Stern und im Dez in Kassel sowie zwei Mal in Baunatal. Das ist kein einfacher Inhaberwechsel, sondern ein Vorgeschmack auf erhebliche Umbrüche, die der Apothekenbranche und ihren Kunden in den nächsten Jahren bei der Medikamentenversorgung bevorstehen.

Inhaber Alexander Schmidt-Hellwig will für diese Veränderungen gerüstet sein. Als er erfuhr, dass Apothekerin Anke Stephan ihre Selbstständigkeit aus privaten Gründen aufgeben wollte, wurden sich beide einig, den Standort am Entenanger zum Versandzentrum der Einhorn-Apotheken zu machen. Von dort aus wird nun die häusliche Belieferung der Kunden organisiert: Wer seine Medikamente bis 15.30 Uhr bestellt, bekommt sie in der Regel noch am selben Tag per Kurier an die Haustür gebracht und kann sie dort bar oder mit Karte bezahlen. Die Lieferung selbst ist bei rezeptpflichtigen Medikamenten in Kassel und Baunatal kostenlos.

Was als Corona-Lieferservice provisorisch begann, wollen die Einhorn-Apotheken jetzt auf professionelle Beine stellen. Der Hintergrund: Auf Bundesebene laufen die Vorbereitungen zur Einführung des elektronischen Rezepts. „Dadurch wird sich der gesamte Markt verschieben“, prognostiziert Schmidt-Hellwig. Denn wenn erst einmal der rosafarbene Zettel vom Arzt durch einen Code ersetzt sei, der per Klick im Netz verschickt werden könne, würden Pharma-Versandriesen den kleineren Apotheken vor Ort immer mehr Marktanteile abnehmen. Die Großen liefern per Paketdienst, Schmidt-Hellwig will das schneller, persönlicher und mit ebenso gutem Service darstellen.

Das funktioniert – noch mit herkömmlichem Arztrezept – so: Auf der Website einhorn-apotheken.de können Kunden per Smartphone oder Tablet mit einer Foto-Funktion ihr Rezept aufnehmen und datenschutzkonform an das Versandzentrum am Entenanger übermitteln. Anke Stephan und ihre Kolleginnen dort kontaktieren die Absender dann binnen 30 Minuten telefonisch oder auf Wunsch per E-Mail, beraten falls erforderlich zu den Medikamenten und stimmen eine Uhrzeit ab, zu der ein Kurierfahrer zunächst das Rezept beim Kunden abholt.

„Das ist vorerst noch erforderlich“, sagt Schmidt-Hellwig; „wir dürfen erst liefern, nachdem pharmazeutische Fachkräfte das Originalrezept vorliegen haben.“ Der Kontrollschritt falle aber weg, wenn erst mal das E-Rezept da ist. Oft klappe es aber, dass die Arznei dann mit einer späteren Tour noch am selben Tag ins Haus gebracht wird.

Man könne die Fotofunktion aber auch nutzen, um ein Medikament vorzubestellen in einer Apothekenfiliale, bei der man auf dem nächsten Weg in die Stadt persönlich vorbeikommt. „Für uns ist das jetzt erst mal ein Lernprozess“, sagt Apotheker Schmidt-Hellwig. Er sieht solche Serviceangebote für seine Zunft als „einzigen Weg, um auch künftig noch am Markt bestehen zu können“. (Axel Schwarz)

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