Prof. Klaus-Peter Hufer: Alle gesellschaftlichen Schichten verbreiten diskriminierende Stammtischparolen

Rezepte gegen pauschale Sprüche

Publizistisches Sprachrohr für Stammtischparolen: Prof. Klaus-Peter Hufer lieferte Beispiele aus der Bild-Zeitung. Foto:  Präventionsrat/Majewski (nh)

Kassel. Prof. Klaus-Peter Hufer von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen hat nichts gegen Stammtische. Das machte er bei einer Veranstaltung im Rathaus anlässlich der Präventionstage zum Thema „Kassel ist bunt! Kassel gegen Rechtsextremismus“ gleich eingangs deutlich.

Hufer hat allerdings etwas gegen Stammtischparolen, von denen in Deutschland etwa 80 durch die Gegend geisterten. Wie man auf diese Sprüche, die „in ihrer Summe ganz nah am Rechtsextremismus dran sind“, angemessen reagieren kann, dafür hat der Wissenschaftler ein Argumentationstraining entwickelt. Normalerweise dauert so etwas zwei Tage, in Kassel lieferte er die „Nescafé-Variante“.

Beliebt bei Familienfeiern

Dabei handele es sich nicht um ein „Schlagfertigkeitstraining“, sondern darum zu reflektieren, was hinter den Parolen stecke und warum es mitunter so schwer ist, auf Sprüche wie „Die Ausländer wollen sich nicht integrieren“, „Die Deutschen sterben aus“ oder „Das mit den Schwulen nimmt überhand“ zu reagieren. Ein Ort, wo Stammtischparolen besonders häufig verbreitet werden, seien Familienfeiern, sagt Hufer. Die emotionale Nähe zu Angehörigen erschwere es mitunter, in diesen Fällen zu kontern. Denn es folge oft ein heftiger Familienkrach.

Untersuchungen hätten ergeben, dass „der Rechtsextremismus aus der Mitte der Gesellschaft kommt“. Der Anteil von Menschen mit rechtsextremen Ansichten liege in Deutschland bei 13 Prozent.

An Stammtischparolen, die auf fest verwurzelten Vorurteilen in der Gesellschaft basierten, beteiligten sich alle sozialen Schichten. Gebildetere Menschen könnten sie häufig geschickter verpacken. Die Bild-Zeitung bezeichnet er als „publizistisches Sprachrohr der Stammtischparolen“. Hufer lieferte ein Beispiel mit dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der in einer Schlagzeile mit „Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer“ zitiert wurde. Dahinter steckten gleich zwei Parolen: „Wir haben zu viele Ausländer“ und „Ausländer sind kriminell“.

Stammtischparolen hätten gemein, dass sie aggressiv, dogmatisch, verkürzt, pauschal, herabsetzend, diskriminierend, selbstgerecht, menschenverachtend und einfach strukturiert sind. Sie richteten sich in der Regel gegen Minderheiten wie Schwule, Moslems und Politiker und zeugten von einer „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Im Kern der gängigen Parolen gehe es gegen die Demokratie, die Abkehr von der Politik und um Sexismus, sagt Hufer. Den Verbreitern gehe es nicht um eine sachliche Auseinandersetzung, sondern um Macht.

Wie man sich gegen pauschale Verallgemeinerungen zur Wehr setzen kann, dafür liefert Hufer auch amüsante Beispiele. Dem Spruch: „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ könne man entgegensetzen: „Ich wusste gar nicht, dass du früher eine Dönerbude hattest.“

Klaus-Peter Hufer: „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ und „Argumente am Stammtisch“, Wochenschau-Verlag

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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