Mitarbeiter von Rheinmetall Landsysteme wollen für ihre Arbeitsplätze kämpfen

Kassel. Die Mitarbeiter des Kasseler Panzerbauers Rheinmetall Landsysteme (RLS) kämpfen für ihre Arbeitsplätze. Am Donnerstag haben sie gegen einen möglichen massiven Stellenabbau am Kasseler Werk demonstriert.

Kassel. Die Mitarbeiter des Panzerbauers Rheinmetall Landsysteme (RLS) wollen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen. Große Hoffnung haben sie aber nicht, dass sich der Düsseldorfer Rüstungskonzern von seinen Umstrukturierungsplänen noch abbringen lässt. Mitarbeiter und Gewerkschaft erwarten, dass ein Großteil der derzeit 410 Arbeitsplätze wegfallen wird.

Donnerstag hat etwa die Hälfte der Belegschaft die IG Metall beauftragt, mit Rheinmetall Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag zu beginnen. 219 Mitarbeiter nahmen an der Gewerkschaftsveranstaltung im Philipp-Scheidemann-Haus teil – nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Walter Brück nahezu alle aktuell eingesetzten Mitarbeiter: „Das ist ein Zeichen für die Geschlossenheit der Belegschaft.“ Brück informierte die RLS-Mitarbeiter über Szenarien, mit denen der Konzern seine Kettenfahrzeugsparte neu ordnen will. Keines davon komme ohne erheblichen Stellenabbau aus. Selbst beim Aufbau eines Kompetenzzentrums für Radfahrzeuge würden bis zu 300 Arbeitsplätze gestrichen. „Und das wäre noch das Szenario mit den geringsten Auswirkungen“, sagt Brück zur HNA.

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Rheinmetall erwäge aber auch, die komplette RLS-Produktion, die bislang auf vier Standorte verteilt ist, im Werk Unterlüß (Lüneburger Heide) zu konzentrieren. Dann würden alle Arbeitsplätze in Kassel wegfallen. So oder so: Brück erwartet einen Kahlschlag, der sich auch auf die zweite Konzerntochter in Kassel, Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV), auswirken dürfte, für die RLS zuarbeitet: „Das schwappt über.“ Insgesamt arbeiten in Kassel rund 1000 Menschen für Rheinmetall. Große Hoffnungen hat Brück nicht, dass der Konzern seine Pläne noch ändert: „Die Messe ist gelesen.“ Nun gehe es darum, sich möglichst teuer zu verkaufen. Sollte der Konzern die Verhandlungen zum Sozialtarifvertrag verzögern, könnte bald gestreikt werden. „Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf.“ Das bestätigen auch einige Mitarbeiter, die aus Angst vor Sanktionen anonym bleiben wollen. Sie fühlen sich von der Firma, für die sie im vergangenen Jahr noch mit vielen Überstunden einen Umsatzrekord eingefahren haben, im Stich gelassen. „Auf uns wird gar nicht geachtet, es geht nur um die Knete“, sagt ein Mitarbeiter von Anfang 30. Ein etwas jüngerer Kollege ärgert sich über die Informationspolitik des Konzerns: „Die Ungewissheit ist scheiße.“ Ein älterer Mitarbeiter, der nur noch ein paar Jahre bis zur Rente hat, ist sich hingegen sicher, dass das RLS-Werk Kassel aufgegeben wird. Die plötzliche Abberufung des Standortgeschäftsführers Nicola Marinelli sei ein deutliches Zeichen gewesen, sind sich viele Rheinmetaller einig: „Das ist beschlossene Sache.“

Rheinmetall: Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau

Rubriklistenbild: © HNA/Janz

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