Wichtiger Markt Australien

Milliarden-Auftrag für Kasseler Panzerbauer Rheinmetall

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Produktion und Instandhaltung von Boxer-Fahrzeugen im Rheinmetall-Werk in Kassel: Die australischen Panzer werden mit dem modular aufgebauten sogenannten Lance-Turm und Kanone ausgestattet.

Kassel. Jetzt ist es amtlich: Rheinmetall liefert ab dem kommenden Jahr 211 Radpanzer des Typs Boxer an die australischen Streitkräfte.

Der Auftragswert liegt nach Angaben des Düsseldorfer Konzerns bei 2,1 Milliarden Euro. 2022 wollen die Australier über die Anschaffung von 450 weiteren Panzern entscheiden. Auch bei diesem Wettbewerb geht Rheinmetall ins Rennen.

Von dem aktuellen Geschäft wird auch der Rheinmetall-Standort Kassel mit seinen gut 1000 Beschäftigten profitieren. Zwar werden die Panzer mit australischen Partnern in einer noch zu bauenden Fabrik vor Ort montiert, beteiligt sind aber auch zahlreiche Zulieferer – darunter das Boxer-Leitwerk in Kassel.

„Bei diesem Auftrag wird es eine erhebliche Wertschöpfung in Deutschland und damit auch in Kassel geben“, erklärte Unternehmenssprecher Peter Rücker im Gespräch mit der HNA. Zur Höhe des auf Kassel entfallenden Auftragsvolumens und mögliche Beschäftigungseffekte machte er keine Angaben. Dazu sei es noch zu früh, so Rücker. Wie bei ähnlich gelagerten Aufträgen dürften die Kasseler auch Ingenieur- und Logistik-Dienstleistungen beisteuern.

Der hochmoderne Radpanzer wurde von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) entwickelt. Das acht-rädrige Fahrzeug gilt als bestes und sicherstes seiner Klasse weltweit. Es setzte sich gegen starke Konkurrenz unter anderem aus Großbritannien durch. Auch das Königreich plant die Anschaffung von 500 neuen Panzern. Dort hat der Boxer ebenfalls die Nase vorn. Sollte es zu einem Auftrag kommen, wird er unter Rheinmetall und KMW aufgeteilt.

Der Boxer entwickelt sich zusehends zum Exportschlager. Bislang setzen die Bundeswehr, die Niederlande und Litauen auf das Fahrzeug aus Kassel. Branchenkenner trauen ihm einen ähnlichen Erfolg wie dem schweren Kampfpanzer Leopard 2 von KMW zu, der in 19 Staaten eingesetzt wird.

Milliarden für die Rüstung

Australien entwickelt sich zusehends zu einem der wichtigsten Märkte für die Militärsparte des Rheinmetall-Konzerns (Düsseldorf).

Bereits im vergangenen Jahr hat das Land für 900 Millionen Euro 2271 und unlängst weitere 1000 geschützte und ungeschützte Militär-Lkw sowie 800 Aufbauten bei Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) geordert. An dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in München halten die Düsseldorfer 51 Prozent und führen somit das operative Geschäft.

Die Kasseler liefern unter anderem Komponenten für die geschützten Fahrerkabinen zu und bauen 130 große, fünfachsige Panzer-Abschleppfahrzeuge mit leistungsstarken Kränen auf.

Die Entscheidung Australiens als einer der wichtigsten Verbündeten der Nato im asiatisch-pazifischen Raum zugunsten deutscher Produkte ist umso bemerkenswerter, als das Land aus der Commonwealth-Historie heraus eher britischen Rüstungserzeugnissen zugewandt war. Deshalb stehen die Chancen gut, dass Rheinmetall auch bei einer für 2022 geplanten Ausschreibung über 450 Panzer zum Zuge kommt. Die Düsseldorfer könnten sich mit dem Boxer oder dem Kettenfahrzeug Puma und der Neuentwicklung Lynx bewerben.

Geradezu spektakulär wäre der Zuschlag Großbritanniens für den Boxer oder ein anderes deutsches Produkt. Ein entsprechendes Beschaffungsverfahren zur Modernisierung der Landstreitkräfte des Inselstaats läuft. Es geht wohl um 500 Panzer. Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW/Kassel/München) rechnen sich mit dem Boxer gute Chancen aus.

Die Australier sind unterdessen dabei, ihre Land-, Luft- und Seestreitkräfte von Grund auf zu modernisieren. Etwa 130 Milliarden Euro wollen sie dafür in den nächsten Jahrzehnten ausgeben und möglichst viel aus einer Hand haben. Bei Rheinmetall ist das noch am ehesten möglich. Denn der Mischkonzern, der neben Rüstungsgütern vor allem Autoteile produziert, bietet im heerestechnischen Bereich nahezu alles: Rad- und Kettenpanzer für jede erdenkliche Mission, gepanzerte Fahrzeuge und Lkw in allen Gewichtsklassen, Türme, Waffen und Munition.

Wie bei derart staatlichen Großaufträgen üblich, wird es auch bei dem aktuellen Aus-tralien-Geschäft einen bedeutenden Wertschöpfungsanteil im Bestellerland geben. Anders bekommt man solche Aufträge nicht. Und natürlich wird Australien nach Beendigung der Produktion das Werk nicht schließen, sondern weiterbetreiben und versuchen, die Panzer an Dritte zu verkaufen.

Der Rheinmetall-Konzern setzte im vergangenen Jahr mit fast 24.000 Beschäftigten nahezu 5,9 Milliarden Euro um, davon gut drei Milliarden Euro in der Rüstungssparte.

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