Neben Kassel droht auch Standort Kiel massiver Abbau von Arbeitsplätzen

Rheinmetall streicht weiter

Schieflage: Ein Spürpanzer vom Typ „Fuchs“ ist in Kassel auf der Teststrecke von Rheinmetall Landsysteme. Foto: dpa

Kassel. Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall will nicht nur in Kassel Arbeitsplätze streichen. Jetzt ist auch der Standort Kiel in die Schlagzeilen geraten. Dort droht nach Informationen der Kieler Nachrichten ebenfalls ein Kahlschlag.

Die Gewerkschaft IG Metall hat bestätigt, dass an der Ostsee 320 von 500 Stellen gestrichen werden sollen. Bei einer Betriebsversammlung Mitte September solle die Belegschaft darüber informiert werden.

Über ähnliche Streichpläne für Kassel hat die HNA bereits vor Wochen berichtet. „Die Kollegen in Kiel haben lange gehofft, dass der Kelch an ihnen vorübergeht“, sagt Gewerkschaftssekretär Walter Brück von der nordhessischen IG Metall. Zur Strategie äußert sich das Unternehmen bislang nicht.

Bei dem Kasseler Panzerbauer Rheinmetall Landsysteme (RLS) sollen nach bisherigen Informationen bis zu 300 der 410 Mitarbeiter gehen. Nach Gewerkschaftsangaben sind Kündigungen für 150 Beschäftigte im Gespräch. Etwa genau so viele sollen ein Versetzungsangebot nach Unterlüß in der Lüneburger Heide bekommen.

In der kommenden Woche werde es ein erstes Treffen mit dem Gesamtbetriebsrat geben, sagt Walter Brück. Ziel der Verhandlungen mit der Geschäftsleitung sei ein Sozialtarifvertrag. In dem sollen unter anderem Abfindungen für die von der Kündigung betroffenen Mitarbeiter festgeschrieben werden.

Für viele Mitarbeiter kommt diese Entwicklung überraschend. Die Auftragsbücher seien nach wie vor voll, hört man hinter vorgehaltener Hand. Aus Angst um die berufliche Zukunft will das kaum jemand öffentlich sagen. Die IG Metall ist davon überzeugt, dass das Unternehmen eine deutlich höhere Rendite erziele als bisher angestrebt. Deshalb habe man eine Unternehmensberatung im Haus gehabt.

„Ich kann die Strategie von Rheinmetall nicht nachvollziehen.“

Gewerkschafts- sekretär Walter Brück

Zwischenzeitlich habe man vorgehabt, alle Unternehmensteile in Unterlüß zu konzentrieren. Die Berater hätten Einsparungen von knapp 60 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Jetzt werde man Kassel und Kiel wohl doch für eine Übergangszeit erhalten, allerdings mit deutlich kleinerer Belegschaft. Zur Produktpalette von Rheinmetall Landsysteme gehören Schützenpanzer, Minenräumsysteme und Kampfpanzer. Das Unternehmen hat 2011 einen Umsatz von 337 Millionen Euro gemacht.

„Ich kann die Strategie von Rheinmetall nicht nachvollziehen“, sagt Gewerkschaftssekretär Brück. Die Mitarbeiter in Kassel hätten immer ausgesprochen flexibel und kompromissbereit agiert. Belohnt werde das offenbar nicht.

Von Thomas Siemon

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