Gewerkschaft verhandelte mit Geschäftsführung

60 Rheinmetaller müssen gehen

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Arbeit durch Rüstungsaufträge: Bei Rheinmetall Landsysteme in Kassel wird auf unserem Bild ein Transportpanzer vom Typ Fuchs instandgesetzt.

Kassel. Der Stellenabbau beim Panzerbauer Rheinmetall Landsysteme (RLS) in Kassel wird nicht so hart ausfallen, wie Belegschaft und Gewerkschaft ursprünglich befürchtet hatten.

Bis zu 60 Mitarbeiter müssen zum Anfang nächsten Jahres mit einer betriebsbedingten Kündigung rechnen. Das geht aus den Eckpunkten hervor, die die Verhandlungskommission der IG Metall mit der RLS-Geschäftsführung ausgehandelt hat.

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Das Unternehmen plant darüber hinaus, 46 Kasseler Beschäftigte mittelfristig an den Standort Unterlüß bei Celle zu versetzen. Nach Angaben von Oliver Dietzel, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Nordhessen, kann dies laut der Vereinbarung nur im Einvernehmen mit den Betroffenen geschehen. „Die Tür für entsprechende Änderungskündigungen ist damit geschlossen“, sagte Dietzel.

RLS hat in Kassel etwa 410 Mitarbeiter, abzüglich einiger Leiharbeitskräfte sind es aktuell 391 Stammbeschäftigte. Wenn die geplanten Kündigungen wirksam werden, verbleiben Anfang 2013 zunächst rund 330 Stellen, durch Versetzungen wird ihre Zahl nach und nach auf 280 sinken. Vor dem Hintergrund von Umsatzrückgängen hatte das Unternehmen ursprünglich geplant, dass in Kassel lediglich 100 RLS-Werker übrig bleiben sollten.

Oliver Dietzel

Dietzel spricht von einem Verhandlungserfolg: Die Gewerkschaft habe die Zahl der zunächst vorgesehenen Kündigungen „mehr als halbiert“ und für die Betroffenen das Bestmögliche herausholen können. Für die, die gehen müssten, werde es „ordentliche Abfindungen“ geben. Genaue Zahlen könne die IG Metall noch nicht nennen, da nun zunächst der Gesamtbetriebsrat im November die ausgehandelten Eckpunkte für Interessenausgleich und Sozialplan auf betrieblicher Ebene verabschieden müsse. Es sei aber ein finanzielles Gesamtvolumen vereinbart worden, das laut Dietzel „deutlich“ über dem liegt, was bei RLS bisher üblich gewesen und in vergleichbaren Unternehmen Standard sei. Zudem werde jeder von Kündigung Betroffene das Angebot erhalten, sich in einer Transfergesellschaft weiterqualifizieren zu lassen.

Für den Kasseler Standort des Rüstungsproduzenten bedeute die Einigung, „dass es eine Perspektive gibt und keinen radikalen Kahlschlag“, sagte der Nordhessenchef der IG Metall. Er sehe auch die Gefahr abgewendet, dass der Stellenabbau bei RLS die anderen Kasseler Sparten des Wehrtechnikkonzerns in eine Abwärtsspirale ziehen könnte. Neben dem Panzerbau arbeiten in Kassel weitere 450 Menschen in einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und MAN, das militärische Radfahrzeuge herstellt.

Was RLS betrifft, sei dieGeschäftsführung nun in der Pflicht, für eine Auslastung des künftig kleineren Standorts zu sorgen, sagte Dietzel: „Falls nicht genügend Arbeit da ist, könnte das für Kassel auch Kurzarbeit bedeuten.“ Für solche Fälle seien in der Vereinbarung, die bis Ende 2015 Gültigkeit hat, vorsorglich Regeln festgeschrieben worden.

Die Vereinbarungen der IG-Metall-Verhandlungskommission haben auch Gültigkeit für den Stellenabbau an zwei weiteren von bundesweit vier Standorten von Rheinmetall Landsysteme:

• In Kiel sollen von derzeit 490 Stellen 90 Arbeitsplätze durch Entlassung wegfallen - allerdings erst im Lauf des Jahres 2014. Weitere 103 Mitarbeiter sollen auf freiwilliger Basis von Kiel nach Unterlüß versetzt werden. Dort, in der Südheide, will RLS seine Produktion künftig stärker bündeln und auch die Unternehmensführung - derzeit in Kiel - ansiedeln.

• Gersthofen als kleinster Standort des Rüstungsunternehmens soll Mitte 2014 ohne betriebsbedingte Kündigungen geschlossen werden. Dort sind derzeit 49 Menschen beschäftigt. Für 34 von ihnen soll es Wechselangebote geben, die übrigen werden bis zum Schließungstermin durch normale Fluktuation ausscheiden.

Für den Standort Unterlüß hat die IG Metall in der Verhandlungsrunde keine Vereinbarungen getroffen - zum einen, weil für diesen Unternehmensteil historisch bedingt die IG Bergbau, Energie, Chemie zuständig ist. Zum anderen, weil Unterlüß der einzige RLS-Standort ist, der von dem Unternehmens-Umbau profitiert.

Von Axel Schwarz

Video aus dem Archiv: Rheinmetall-Beschäftigte demonstrieren gegen Entlassung

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