Kasseler FDP-Politiker

Trauer um Richard Wurbs - Ehrenbürger starb im 99. Lebensjahr

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Ehemaliger Bundestagsvizepräsiden: Richard Wurbs.

Kassel. Der große alte Mann der Kasseler Liberalen ist tot. Richard Wurbs, ehemaliger Bundestagsvizepräsident und Ehrenbürger der Stadt Kassel, starb am 7. September im 99. Lebensjahr.

Er gehörte noch immer zu den bekannten Politikern, obwohl er schon vor 33 Jahren alle politischen Ämter niedergelegt hatte. Wurbs prägte die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland als Liberaler mit. Ebenso die FDP, in die er 1960 eingetreten war. Neben seiner Familie mit zwei Söhnen, vier Enkeltöchtern und einer Urenkelin trauern auch zahlreiche politische Weggefährten um ihn.

FDP-Kreisvorsitzender Matthias Nölke sagt: „Mit Richard Wurbs verlieren die Freien Demokraten eine urliberale und historische Persönlichkeit, die sich in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands große Verdienste erworben hat.“

Wurbs war 19 und hatte gerade das Abitur in der Tasche, als er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg geschickt wurde. Nach fünf Jahren kehrte er aus dem Russlandfeldzug zurück.

Statt wie geplant Jura zu studieren, stieg er in das 1895 vom Großvater gegründete Baugeschäft der Familie ein. „Aufzubauen gab es schließlich genug“, sagte er in einem HNA-Interview. Der Maurerlehre folgten Meisterprüfung und Hochbauingenieurexamen. Mit Disziplin, Fleiß und großem politischen Gestaltungswillen führte er nicht nur einen Handwerksbetrieb, sondern engagierte sich ebenso leidenschaftlich in der Handwerksorganisation und spielte noch dazu in der Politik eine prägende Rolle. Politisches Engagement war für Wurbs sein Leben lang eine Selbstverständlichkeit: „Ich wollte dazu beitragen, dass sich so eine Katastrophe wie die Hitler-Diktatur niemals wiederholt“.

Von 1960 bis 1968 war er in seiner Heimatstadt Stadtverordneter der FDP. Von 1964 bis 1989 führte er als Präsident die Handwerkskammer Kassel. Ab dem Jahr 1965 war Richard Wurbs zudem Abgeordneter des Deutschen Bundestages, zu dessen Vizepräsident er 1979 gewählt wurde. Er gilt als einer der Väter des Städtebauförderungsgesetzes des Jahres 1971, einem Meilenstein des deutschen Baurechts. Schwer getroffen hatte ihn nach seinem 90. Geburtstag der Tod seiner geliebten Ehefrau Friedel, mit der er über 60 Jahre lang verheiratet war. Richard Wurbs habe die Tugenden des Handwerks gelebt, würdigt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) den gestorbenen Ehrenbürger: „Wertorientiert zu handeln, Verantwortung zu zeigen, seriös und maßvoll zu bleiben und mit Augenmaß die Entwicklung des eigenen Unternehmens voranzubringen.“

Für seine Verdienste wurde Wurbs mit vielen Auszeichnungen bedacht: Carl-Schomburg-Plakette der Stadt Kassel, Handwerkszeichen in Gold, Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen, Ehrenring des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hessischer Verdienstorden sowie Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Im Jahr 2010 erhielt Wurbs das Kasseler Ehrenbürgerrecht – die höchste Auszeichnung, die seine Heimatstadt zu vergeben hat. (ach)

Auf Wunsch der Familie veröffentlichen wir diesen Nachruf erst heute.

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