Landgericht: Milde Strafe für Beschaffungstat - Überfall war Versuch geblieben

Richter drückten Auge zu

Kassel. Mit vorgehaltenem Messer hatte ein 35-Jähriger im März vergangenen Jahres in einem Getränkemarkt in der Leuschnerstraße eine Kassiererin bedroht. Weil der Überfall im Versuch stecken geblieben war und sein frühes Geständnis dazu führte, dass die Tat aufgeklärt werden konnte, kam er am Donnerstag vor dem Kasseler Landgericht trotz einschlägiger Vorstrafen mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der Vorfall gehört zum Repertoire der Drogenkriminalität. Der Angeklagte berichtete, dass er seit dem 13. Lebensjahr süchtig ist. Mit Alkohol hatte es angefangen, mit Haschisch und Kokain ging es weiter, später kamen Amphetamine hinzu. Auch vor der Tat hatte er Bier und Drogen geschluckt. Den Alkohol hatte er sich tagsüber in dem Getränkemarkt geholt, den er dann gegen 22 Uhr überfiel, weil er Nachschub brauchte. „Ich saß zu Hause, hatte kein Geld mehr, da kam ich auf die Idee.“ Er wickelte sich ein T-Shirt als Maske um den Kopf, steckte ein Klappmesser ein.

Im Getränkemarkt verlangte er mit gezückter Klinge und in gebrochenem Deutsch „Geld her!“. Die Mitarbeiterin des Marktes schrie um Hilfe, das beeindruckte den Mann derart, dass er weglief. „Zu Hause legte ich mich ins Bett.“ Wenige Tage später begann er freiwillig eine Entgiftung, in der Einrichtung wurde er dann von der Polizei ausfindig gemacht. Bereitwillig erzählte er den Beamten, was passiert war. Ohne diese Aussage wäre die Tat nur schwer aufzuklären gewesen, da die Beweislage sehr dünn war.

„Es tut mir leid, was mit der Kassiererin passiert ist“, sagte der 35-Jährige am Donnerstag vor Gericht. Er ist inzwischen von Kassel nach München umgezogen, unter anderem, um Abstand zur hiesigen Drogenszene zu bekommen. Nachdem er die Entgiftung und eine Therapie hinter sich gebracht hat, befindet er sich in einer Nachsorgeeinrichtung.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich für den Fall eines Geständnisses auf eine Bewährungsstrafe geeinigt, dabei blieb es am Ende des äußerst kurzen Prozesses, der ohne Zeugen auskam. Die Strafe von zwei Jahren wird auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Richter Wolf Winter gestand, dass das Vorstrafenregister des Angeklagten, es erschwert habe, zu solch einer Entscheidung zu kommen. Mit Blick auf das Geständnis und die Tatsache, dass der Angeklagte nicht aggressiv geworden ist und sehr früh aufgegeben hat, sei das milde Strafmaß jedoch noch zu vertreten. Außerdem rechnete das Gericht ihm an, dass er sich nach der Tat selbst um eine Therapie bemüht hatte. Zu den Bewährungsauflagen gehören nicht nur hundert Stunden gemeinnützige Arbeit, der 35-Jährige muss auch vollkommen abstinent leben und darf die Therapie nicht gegen fachlichen Rat abbrechen. (pas)

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