Richter: „Keine Verzweiflungstat“

Überfall auf Kasseler Postfiliale: Mann muss dreieinhalb Jahre in Haft

Kassel. Der Inhaber einer Postfiliale im Philippinenhöfer Weg hatte gerade einen Überfall verkraftet, da erwischte es ihn ein zweites Mal: An einem Nachmittag im Juli vergangenen Jahres betrat ein Mann mit Kapuzenshirt und Sonnenbrille bekleidet und mit einem Sägemesser in der Hand den Laden.

Mit der eindeutigen Drohung „Ich mach dich kalt!“ hatte er damals den Kaufmann aufgefordert, das Geld aus der Kasse heraus zu geben. Am Dienstag saß der heute 31-jährige Eindringling auf der Anlagebank des Landgerichts.

Weil die paar Scheine in der Kasse dem Räuber nicht genügten, zwang er sein Opfer mit dem an den Hals gehaltenen Messer, auch den Geldautomaten zu öffnen. Mit mehr als 2000 Euro floh der Angeklagte, allerdings konnte der Filialleiter ihm noch folgen und sich das Kennzeichen des Fluchtautos merken. Wenig später nahm die Polizei den 31-Jährigen fest. Freiwillig rückte er nicht nur das geraubte Geld und die Waffe heraus, er gestand die Tat auch sofort.

Vor Gericht wiederholte er sein Geständnis, allerdings behauptete er, verzweifelt gewesen zu sein und die Tat deshalb begangen zu haben: Ihm stand eine dreimonatige Haftstrafe wegen einer anderen Tat bevor, seine Freundin war schwanger. „Ich hatte Angst, dass ich meinen Job verliere.“ Schließlich habe er sich daran erinnert, dass sich in seiner Kindheit sein Vater mit einer Pistole das Leben genommen hatte. Deshalb sei er entschlossen gewesen: „Ich will mich umbringen.“ Das erbeutete Geld aus dem Postraub, so seine Version, hätte er vor seinem angeblich geplanten Selbstmord seiner Frau und seiner Schwester zukommen lassen.

Verteidigerin Sabine Lehr beantragte, die Schuldfähigkeit ihres Mandanten durch einen psychiatrischen Gutachter prüfen zu lassen, er habe sich in einer „ausweglosen Situation“ befunden. Das Gericht lehnte das ab, eine Verzweiflungstat könne ausgeschlossen werden, da es nach der Beweisaufnahme von einem „planvollen und gezielten Vorgehen“ ausgehe, so Vorsitzender Richter Jürgen Stanoschek.

Das Gericht verurteilte den 31-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Es hielt ihm sein Geständnis und die Tatsache zugute, dass der Filialeiter weder einen körperlichen noch einen psychischen Schaden davon getragen hatte. Doch Stanoschek verwies auch darauf, dass er einschlägig vorbestraft war und die Tat unter laufender Bewährung begangen hatte. (pas)

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