Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hebt zentrale Lage und Bedeutung der Torwache hervor

Richter sollen Platz machen

Museum statt Gericht: Das VGH-Gebäude am Brüder-Grimm-Platz soll für das Tapetenmuseum umgebaut und saniert werden. Die historische Torwache (links) ist als Grimm-Stätte vorgesehen. Archivfoto: Koch

kassel. Die Kosten für das Tapetenmuseum am Brüder-Grimm-Platz spielen für Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) anscheinend eine nachrangige Rolle: Der stark sanierungsbedürftige Altbau des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) aus den 1950er-Jahren müsse auf jeden Fall instand gesetzt werden, sagte sie. Denn das Land wolle sich nicht davon trennen. Zu den hohen Sanierungskosten kommen eine Million Euro, die bereits in die Planung für ein Justizzentrum am Grimm-Platz geflossen sind.

Trittstein zum Weinberg

Die Ministerin betont die Vorteile ihrer Lösung: Die historische Torwache neben dem VGH könne als authentischer Ort erlebbar gemacht werden. Der Grimm-Platz werde durch das Museum aufgewertet, und mit dem Hessischen Landesmuseum gegenüber, das 2014 wieder öffnen werde, sei ein Trittstein zum Weinberg gegeben. Durch den Umzug des Verwaltungsgerichtshofs in das frühere Finanzamt an der Goethestraße werde ein Leerstand beseitigt, der das Land ansonsten viel Geld koste.

Das Szenario: Nach dem Umbau des früheren Finanzamtes zieht der VGH 2017 an die Goethestraße um. Dann können Sanierung und Erweiterung am Grimm-Platz beginnen. Spätestens 2020 könnte das Museum öffnen. Teile der Bestände könnten in der Zwischenzeit in Sonderausstellungen an verschiedenen Orten gezeigt werden. „Warum soll man nicht in populäre Bereiche gehen?“, sagt Kühne-Hörmann. Den Sitzungssaal in der Torwache, der als Grimm-Stätte vorgesehen ist, sollen die Richter nach ihrem Willen schon früher räumen. Sie können aus Sicht der Ministerin auch in angemieteten Räumen tagen, etwa am Bundessozialgericht.

„Ich habe die große Hoffnung, dass wir das jetzt hinbekommen.“

Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann

Die Stadt Kassel, deren Bebauungsplan neben dem eigenen Grimm-Museum auf dem Weinberg auch das Tapetenmuseum des Landes vorsieht, hat Kühne-Hörmann über ihre Pläne noch nicht informiert. Der Bau des Tapetenmuseums auf dem Weinberg ist aus ihrer Sicht an dem geplanten Grundstückstausch gescheitert. Die Stadt wollte dem Land das Grundstück im Tausch gegen die landeseigene Torwache überlassen. Dies sei am VGH gescheitert. Auch nun sei der VGH ausschlaggebend: „Ich hänge in beiden Fällen an seiner Entscheidung.“ Das Grundstück auf dem Weinberg von der Stadt zu kaufen, sei zu keiner Zeit vorgesehen gewesen.

Die Option, mit dem Tapetenmuseum an den Grimm-Platz zu gehen, habe es vorher nicht gegeben. Nun eröffne sich die Chance, und die wolle sie ergreifen. Der Grimm-Platz werde städtebaulich davon profitieren. „Ich habe die große Hoffnung, dass wir das jetzt hinbekommen“, sagte Kühne-Hörmann. Anders als die Stadt habe das Land die Pläne für den Weinberg nicht weit vorangetrieben. Kühne-Hörmann räumte ein, dass die zugesagte EU-Förderung für die Grimm-Welt in Höhe von sechs Millionen Euro nun wegfiele, wenn die Stadt ihre Pläne nicht zügig umsetzt. Foto: Koch

Von Ellen Schwaab

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