Ahmed A. beim NSU-Prozess

Mord an Halit Yozgat - Zeuge aus Kassel schilderte, wie er Erste Hilfe leisten wollte

Die Hauptangeklagte: Beate Zschäpe am Dienstag im Gerichtssaal in München. Vor dem Oberlandesgericht wurde der Prozess um die Morde und Terroranschläge des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) fortgesetzt. Foto: Peter Kneffel (dpa)

München / Kassel. Nach mehreren erfolglosen Ladungen erschien am Dienstag im NSU-Prozess der 22-jährige Ahmed A. vor dem Oberlandesgericht in München. Der 22-Jährige ist ein Zeuge des Mordes an Halit Yozgat 2006 in Kassel.

Ahmed A. bestätigte, dass er im hinteren Raum des Internetcafés an der Holländischen Straße saß, in dem Yozgat erschossen wurde. Er habe einen dumpfen Schlag gehört, als wäre etwas heruntergefallen „Ich dachte, das wär’ ein Ordner.“ Kurz darauf sei Yozgats Vater in den hinteren Raum gekommen. „Er rief, mein Sohn ist tot.“ Er habe versucht, Erste Hilfe zu leisten, sagte der Zeuge. „Ich wollte seinen Kopf anheben. Meine Hand war warm. Da war Blut.“

Im Mittelpunkt des Verfahrens gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten stand am Dienstag aber der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter. Ein Bahnarbeiter hat möglicherweise vor dem Mordanschlag des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf zwei Polizisten in Heilbronn die beiden Attentäter beobachtet. Auf einem Radweg an den Bahngleisen seien ihm zwei Radfahrer aufgefallen, sagte der 67-Jährige. Sie hätten Radfahrerkleidung und Helme getragen und sich angeregt unterhalten.

„Von dem Punkt, wo die beiden Radfahrer gestanden haben, kann man den Tatort gut einsehen“, sagte der mittlerweile pensionierte Mann. Kurze Zeit später habe er einen Schlag gehört. „Wir haben gedacht, dass es einem Auto einen Reifen rausgehauen hat.“ Der Anklage zufolge haben die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Anschlag auf zwei Polizisten im April 2007 in Heilbronn verübt. Die Polizistin Michèle Kiesewetter starb noch am Tatort; ihr Kollege, der mit ihr im Streifenwagen saß, überlebte trotz eines Kopfschusses. Auch bei anderen NSU-Attentaten sahen Zeugen die mutmaßlichen Täter in Fahrradkleidung und auf Mountainbikes. Der Heilbronner Zeuge konnte allerdings auf Fotos Mundlos und Böhnhardt nicht wiedererkennen.

Einen kurzen Auftritt als Zeugin hatte zuvor die Ehefrau des Angeklagten André E. Wie erwartet verweigerte die 32-Jährige jede Aussage. Der Zeugenauftritt dauerte nur zwei Minuten. André und Susann E. hatten relativ engen Kontakt zu den im Untergrund lebenden NSU-Mitgliedern. Auch gegen Susann E. wird wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe nutzte zeitweise die Personalien von Susann E. (dpa)

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