Presseclub spendet für Digitalisierung

Riesiges Archiv der Fotografenfamilie Eberth digitalisiert

Sozialgeschichte: Viele Kasseler Kinder waren um 1920 so schlecht ernährt, dass sie in der Schule versorgt werden mussten. Carl Eberth senior hat das dokumentiert. Links unten ist der Stempel seines Fotogeschäfts zu erkennen.

Kassel. Niemand hat Kassels jüngere Geschichte so akribisch mit Fotos dokumentiert wie Carl Eberth (1882-1955) und sein gleichnamiger Sohn, der 1991 starb. Jetzt werden die Bilder für die Nachwelt gesichert.

Ungezählte Filmrollen mit Negativen lagerten jahrelang im Keller des Fotogeschäfts an der Friedrich- Ebert-Straße. Ein Teil des Archivs wurde in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 zerstört, vieles blieb aber erhalten.

Carl Eberth junior (1910 -1991)

„Das sind unschätzbar wertvolle Dokumente der Stadtgeschichte“, sagt Dr. Alexandra Lutz, Leiterin des Stadtarchivs. Das hat den Eberth-Nachlass erworben und ist dabei, die insgesamt 60.000 Fotos digital für die Nachwelt zu sichern. 27.000 Aufnahmen hat der Historiker und Kassel-Experte Stephan Franke bereits aufgearbeitet und verschlagwortet.

Mit einer Spende in Höhe von 3500 Euro will der Kasseler Presseclub dazu beitragen, dass diese Arbeit fortgesetzt werden kann. Das wertvolle historische Material solle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagt Klaus Krimmel, ehemaliger Leiter des Kasseler hr-Studios und Vorsitzender des Presseclubs.

Aufnahmen der Kasseler Fotografenfamilie Eberth

Aufnahmen der Kasseler Fotografenfamilie Eberth

Bis es so weit ist, wird es noch eine Weile dauern. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hofft, dass zum Stadtjubiläum im Jahr 2013 eine große Ausstellung mit Eberth-Bildern gezeigt werden kann.

Carl Eberth senior (1882-1955)

Motive gibt es mehr als genug. Insbesondere die 1930er-Jahre sind hervorragend dokumentiert. Die Fotos zeigen das alte Kassel vor der Zerstörung, Alltagsszenen und Feste. Aber auch Aufmärsche der Nationalsozialisten, Reichskriegertage und die Bücherverbrennung 1933 auf dem Friedrichsplatz sind Themen. Vom Wiederaufbau bis in die späten 1980er-Jahre sind ebenfalls Fotos vorhanden. „Es gibt immer wieder Überraschungen“, sagt Stephan Franke. Viele Negativrollen seien unvollständig oder gar nicht beschriftet.

Von Thomas Siemon

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