Forscher der Uni Kassel testen

Rinder sollen schmerzfrei sterben: Todesschuss auf der Wiese

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Schmerzfreier Tod: Wenn Rinder (hier auf einer Wiese bei Staufenberg-Sichelnstein) in ihrer gewohnten Umgebung per Kugelschuss getötet werden, hat dies für die Tiere weniger Stress und Schmerzen zur Folge.

Witzenhausen/Kassel. Für viele Menschen gehört Rindfleisch zu einem guten Essen einfach dazu. Sie wollen auf ein saftiges Steak oder einen leckeren Schmorbraten nur ungern verzichten.

Niemand jedoch wünscht den Tieren im Schlachthof bei ihrem letzten Gang die unnötigen Schmerzen und panischen Angstzustände, die sie dort häufig erleiden müssen.

Grund genug für zwei Wissenschaftlerinnen der Universität Kassel, eine Methode zu untersuchen, die den Tieren Leid ersparen und zudem die Fleischqualität verbessern könnte.

„Gerade bei Rindern, die ihr Leben in artgerechter Haltung auf der Weide verbracht haben und nur sehr wenig Kontakt zu Menschen hatten, bedeutet der Transport in den Schlachthof und das Warten auf den Bolzenschuss erheblichen Stress“, sagt Dr. Stefanie Retz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Agrartechnik der Universität in Witzenhausen.

Zudem gehe man davon aus, dass ein nennenswerter Anteil aller Rinder - geschätzt werden in schlechten Betrieben um die fünf Prozent - durch den üblichen Bolzenschuss nur unzureichend betäubt wird. Die Alternative: Bei der so genannten Kugelschuss-Methode wird das Rind auf der Weide durch einen Kopfschuss getötet.

Bei dieser Methode bleiben die Weiderinder in ihrer gewohnten Umgebung. Für den tödlichen Schuss, der aus rund zehn Metern erfolgt, verwendet der speziell geschulte Schütze ein Jagdgewehr. Das Tier wird noch auf dem Hof entblutet und zum Schlachthof transportiert.

Stefanie Retz

Sofort nach dem Schuss werden die Vitalfunktionen des Rindes geprüft. „Wir haben bisher stets festgestellt, dass das Rind sofort betäubt war und unmittelbar nach dem Schuss gestorben ist“, sagt Retz. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei diese Methode schmerzfrei.

Erstellen von Kriterien

Ziel des Projektes, an dem Retz mit Doktorandin Katrin Schiffer und Tierarzt Dr. Martin von Wenzlawowitz vom Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung (BSI Schwarzenbek) arbeitet, ist das Erstellen von Kriterien, nach denen die Kugelschuss-Methode angewandt werden sollte. Das Projekt wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit 250.000 Euro gefördert.

Weniger Stress

Ein zweites Forschungsergebnis soll der Einfluss der Methode auf die Fleischqualität sein. „Bei Stress, wie er im Schlachthof besonders bei Weiderindern aufkommt, stößt der Körper bestimmte Stoffe aus“, sagt die Wissenschaftlerin. Diese führten zu einer Übersäuerung der Muskeln, verhinderten die Reifung des Fleisches und verminderten seine Qualität.

„Unsere Hypothese ist, dass sich die Qualität durch die Kugelschuss-Methode verbessert“, sagt Retz. Doch die Kugelschuss-Methode könne die Tötung im Schlachthof nie in vollem Umfang ersetzen. „Wenn wir aber allein nur ein paar Tieren damit Leid ersparen können, dann ist schon viel gewonnen.“

Von Per Schröter

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