Nach der Niederlage gegen Kiel

„Normale Fans“ prügelten sich - Risikofans als Schlichter

Abgeführt: Zwei Polizisten bringen einen Mann aus dem Stadion, der den Platz gestürmt hatte. Foto:  Zucchi/dpa

Kassel. Es waren unschöne Szenen, die sich am Sonntagnachmittag nach Abpfiff auf dem Spielfeld des Auestadions zugetragen haben. Fast 17.000 Zuschauer mussten beobachten, wie sich einige Anhänger des KSV Hessen Kassel und der KSV Holstein Kiel schubsten und prügelten.

Zuvor hatten die Sicherheitskräfte die beiden Nottore sowohl an der Südkurve, in der die Kieler standen, als auch in der Nordkurve geöffnet. Dieses Verhalten sei notwendig gewesen, um Unfälle zu verhindern, sagt Uwe Papenfuß, Direktor der Kasseler Polizeidirektion. Am Montagmittag haben Polizei, der Sicherheitsbeauftragte des KSV und die verantwortlichen Sicherheitskräfte das Geschehen noch einmal analysiert.

Laut Papenfuß seien die ersten Kieler Fans in der 85. Minute (da war längst klar, dass die Norddeutschen den Aufstieg in die dritte Liga packen) über den Zaun in der Südkurve geklettert. Um zu verhindern, dass Fans, die unten stehen, gegen die Anlage gedrückt werden, beziehungsweise andere runterfallen, habe der Sicherheitsdienst das Nottor geöffnet. Zuvor sei Flatterband hinter dem Spielfeld angebracht worden, damit die Begegnung regulär zu Ende gespielt werden konnte. Nach dem Abpfiff, dem 2:1-Sieg von Holstein Kiel, habe es kein Halten mehr gegeben, sagt Papenfuß. Die Fans stürmten auf das Spielfeld.

Gerangel auf dem Rasen: Ein Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Protex versuchte am Sonntag, einen Fan zurückzuhalten. Foto:  Schachtschneider

Derweil seien auch KSV-Anhänger auf den Zaun in der Nordkurve geklettert. Um dort ebenfalls Unfälle zu verhindern, sei auch hier das Nottor geöffnet worden, sagt der Chef der Polizeidirektion. Er macht auf die Besonderheit dieser Begegnung aufmerksam. Beide Mannschaften verbinde eine Fan-Freundschaft und deshalb habe die Polizei auch auf ein „starkes Defensivkonzept gesetzt“. Schließlich seien vor dem Spiel Ultras aus Kassel und Kiel gemeinsam und friedlich zum Stadion gegangen.

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Die Anhänger, die für Gerangel auf dem Spielfeld gesorgt hätten, seien keine Risikofans, weder Ultras noch Hooligans, gewesen, sagt Papenfuß. "Das waren Leute, die von uns als ganz normale Fans eingestuft werden." Die Risikofans hätten am Sonntag sogar geschlichtet. Die Polizei habe auch nicht zu spät eingegriffen, sagt Papenfuß. Nachdem klar gewesen sei, dass sich Anhänger beider Vereine in die Haare bekommen, sei man dazwischengegangen. Niemand sei verletzt worden. „Nach zwei bis drei Minuten war die Lage entspannt.“

Uwe Papenfuß

Die Eskalation hätte verhindert werden können, wenn die Kieler Fans nur bis zur Mitte des Platzes hätten gelangen können, sagt Dennis Pfeiffer, Fan-Sozialarbeiter beim KSV. Dadurch, dass einige Anhänger von Holstein Kiel allerdings auf die Nordkurve zugelaufen wären, hätten sich einige Kasseler Fans, die sehr enttäuscht über das Ergebnis waren, provoziert gefühlt. „Solch eine Provokation bleibt meistens leider nicht unbeantwortet“, sagt Pfeiffer.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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