Viele Vorschläge sind noch offen

Risikoplan bewertet Gefährdung durch das Hochwasser der Fulda und gibt Anregungen 

Stephan Theobald

Kassel. Das Hochwasser am Wochenende war das erste, seitdem das Risiko von über die Ufer tretenden Flüssen systematischer betrachtet wird. In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist unter Federführung des Regierungspräsidiums Kassel ein Hochwasserrisikomanagementplan (HWRMP) für die Fulda entstanden.

Maßgeblich dazu beigetragen hat Prof. Stephan Theobald vom Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft der Universität Kassel.

Zum Schutz vor Hochwasser trage ein „Puzzle von Elementen“ bei. Welche das sein könnten, ist im HWRMP aufgeführt. Allerdings ist der Großteil der Vorschläge noch offen. Zuständig für die Umsetzung sind die Kommunen. Der Risikoplan enthalte eine Menge Anregungen, sagte Dr. Jürgen Drewitz, stellvertretender Leiter des Umwelt- und Gartenamts der Stadt Kassel. Damit habe das Land Ansprüche gestellt, während die Kommunen bei der Finanzierung weitgehend auf sich allein gestellt bleiben.

Einige Projekte werden aber doch gefördert. So hat das Land erst kürzlich knapp 1,1 Millionen Euro für den Bau von zwei Rückhaltebecken in Niederzwehren bereitgestellt. Insgesamt werden dort für den Hochwasserschutz 1,36 Millionen Euro investiert.

Nicht alle angedachten Projekte entlang der Fulda wirken sich auf die Situation in Kassel aus, erklärt Theobald. So sei beispielsweise ein Stück Fuldaaue bei Rotenburg renaturiert worden. Vor Ort führe das zu niedrigeren Pegeln. Auf Kassel habe das aber nur wenig Einfluss.

„Man ist kontinuierlich dabei, Vorsorge zu treffen“, sagt Theobald. Jedes neue Ereignis mache den Menschen das Risiko bewusst. Allerdings seien die unterschiedlichen Hochwasserlagen nicht miteinander vergleichbar.

Karten zeigen Risiken

Wesentliche Bestandteile des Risikoplans sind Karten, die Gefährdungen und Risiken abbilden. Dadurch werde ein Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen.

So sei das jüngste Hochwasser der Fulda im Wesentlichen durch die Schneeschmelze ausgelöst worden. Im Vergleich zu anderen Ereignissen habe es zum Beispiel wenig Niederschläge gegeben. Deutlich kritischer hätte es werden können, wenn es noch zusätzlich mehrere Tage am Stück geregnet hätte. Der Klimawandel sei nur zum Teil eine Ursache für Hochwasser. „Schneeschmelze hat es immer gegeben“, sagt Theobald. Viele Hochwasser-Situationen seien schon vor Zeiten des Klimawandels durch vergleichbare Umstände ausgelöst worden. www.hlug.de

Von Claas Michaelis

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