Restauratoren der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) gewährten Einblick in ihre Arbeit

Ritterrüstung auf Hochglanz - so arbeiten Restauratoren

Ganz schön schwer: Delia Scheffer ließ sich von Metallrestaurator Friedrich Trier einen Ritterhelm aufsetzen. Allein der Kopfschutz wiegt über zwei Kilogramm. Die komplette Rüstung bringt es auf 27 Kilogramm. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Sich wie ein Ritter fühlen, das konnten Besucher am Sonntag beim Tag der Restauratoren der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK).

In Schloss Wilhelmshöhe zeigte Metallrestaurator Friedrich Trier, wie eine Ritterrüstung aufgebaut ist und wie sie gepflegt wird. Wer wollte, konnte selbst einmal einen Helm aufsetzen und seinen fiktiven Gegner ins Visier nehmen. „Ganz schön schwer“, stellte Delia Scheffer aus Kassel fest, die sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ und den zweieinhalb Kilogramm schweren Kopfschutz ausprobierte.

Kunstvoll restauriert: In Schloss Wilhelmshöhe erfuhren die Besucher auch, wie eine Ritterrüstung funktioniert.

Der Helm gehörte zu einer um 1550 in Nürnberg entstandene Rüstung, die komplett 27 Kilogramm wiegt. Sie ist eine von 15 Ritterrüstungen aus der Löwenburg, die zurzeit aufwendig saniert wird. Die Restauratoren nutzen die Zeit, um die Exponate wieder herzustellen oder externen Fachleuten anzuvertrauen wie die gezeigte Rüstung, die in Jena restauriert wurde.

Wie sie mit den Zeichen der Zeit an den kostbaren Schätzen umgehen, das erläuterte Trier den Besuchern an der Burgrüstung, die wegen ihrer Ausschmückung einmal einem Fürsten oder Grafen gehört haben muss. „Ein einfacher Söldner konnte sich eine solche Rüstung nicht leisten“, sagte er. Viele Fachleute seien für deren Herstellung nötig gewesen. „Das war hochspezialisiert.“ Vom Plattner, der die Eisenteile für die Rüstung herstellte, bis zum Fachmann, der die Verzierungen aufbrachte.

Weitere Bilder der Veranstaltung

Tag der Restauratoren in Kassel

Früher wurde die Rüstungen einmal im Jahr geölt, um sie vor Rost zu schützen, erläuterte Trier. Da sich das Öl mit der Zeit aber zersetze und das Eisen angreift, würden die Rüstungen nun mit Wachs geschützt.

Der roten Möbelfarbe auf der Spur: Möbelrestauratorin Carola Klinzmann.

Ein ganz anderes, aber nicht weniger spektakuläres Inventar aus der Löwenburg stellte MHK-Möbelrestauratorin Carola Klinzmann vor. Einen mit Blattgold und Löwenköpfen reich verzierten Aktenschrank nach einem Entwurf von Heinrich Christoph Jussow sowie einen Schreibtisch, beides aus dem Schreibkabinett des Landgrafen.

Wer wollte, konnte auch einen Blick in die Gemälderestaurierungsateliers werfen oder sich bei Vorträgen informieren.

„Ein tolles Angebot“, fand Christel Mertinkat-Erdmann (66). Sie und ihr Ehemann Jörg-Rüdiger Erdmann (71) nutzten viele Führungen. Am Nachmittag zog es das Paar in den Beuys-Raum mit dem VW-Bus in der Neuen Galerie - auch ein Fall für die Restauratoren.

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