Debatte um RKH: "Kompromiss mit Bahn wäre absehbar gewesen"

Kassel. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen bei der Busgesellschaft Regionalverkehr Kurhessen (RKH) gehen weiter: Während die Gewerkschaft Ver.di der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Vorwürfe macht, kritisiert die RKH die fehlende Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften.

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Vorausgegangen war die Ankündigung der Deutschen Bahn, ihr Tochterunternehmen Regionalverkehr Kurhessen (RKH) aufgrund mangelender Wettbewerbsfähigkeit im Jahr 2016 auflösen zu wollen.

Ver.di: Partner ist schuld

Die Gewerkschaft Ver.di, die gemeinsam mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverhandlungen mit der Bahn und der RKH geführt hatte, erhebt jetzt Vorwürfe gegen die EVG. Axel Gerland, Ver.di-Verhandlungsführer in Sachen RKH, gibt der EVG die Schuld am Scheitern der Gespräche und an der jetzt angekündigten Schließung Bei den letzten Verhandlungen im vergangenen Herbst, bei denen es darum gegangen sei, das Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen, sei ein Kompromiss mit der Bahn greifbar gewesen.

Diese habe den Fortbestand der RKH garantiert, wenn sich deren Lohnstruktur mittelfristig an den LHO-Tarifvertrag anpasse. Für die Busfahrer sei eine Übergangszeit von fünf Jahren und für alle sonstigen Mitarbeiter ein Übergang von drei Jahren angeboten worden. In dieser Zeit hätten diese keine Lohnabschläge hinnehmen müssen. Auch sei vereinbart worden, dass die RKH mit der DB Busverkehr Hessen (BvH) verschmelzen solle. „Nach Aushandlung eines längeren Übergangs hätten wir uns damit zufrieden gegeben“, sagt Gerland. Die EVG habe das Angebot abgelehnt und eine unbefristete Besitzstandswahrung für die Mitarbeiter gefordert. Deshalb habe der Arbeitgeber die Gespräche für gescheitert erklärt.

RKH: Angebot von 5,3 Mio. Euro lag vor

Aus Sicht der RKH hatte das Unternehmen alles dafür getan, um den Betrieb langfristig zu sichern. „Wir wollen unseren Beschäftigten gute Löhne zahlen. Aber damit haben wir im Wettbewerb keine Chance“, sagt RKH-Geschäftsführer Thomas Prechtl. Der in den hessischen Verkehrsverträgen vorgeschriebene LHO-Tarifvertrag als Mindesstandard liege 25 Prozent unter dem Tarifgefüge der RKH. Mit den Personalkosten und Strukturen sei das Ende des Unternehmens leider absehbar.

In den Gesprächen mit den Tarifpartnern EVG und Ver.di über einen neuen Tarifvertrag auf LHO-Basis sei es leider nicht zu einer Einigung gekommen. Dabei habe die Bahn 5,3 Mio. Euro als Besitzstandssicherung angeboten. Mit dem Geld sollten die Mitarbeiter vor einer Absenkung für bis zu fünf Jahre ihr altes Gehalt erhalten. Axel Gerland von Ver.di nennt die LHO-Tarife zwar ausbaufähig, es seien aber keinesfalls Dumpinglöhne. Die RKH-Tarife lägen vor allem im Bereich der in der Verwaltung beschäftigten Mitarbeiter über dem LHO-Niveau. (bal)

Betriebsversammlung bei RKH

Betriebsversammlung: Angst um Jobs beim Busunternehmen RKH

Rubriklistenbild: © Malmus

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