Mitarbeiter berichten über ihre Situation

Aus für RKH: Busfahrer machen sich Luft

Kassel. Es ist ein Ende auf Raten: Die Regionalverkehr Kurhessen GmbH (RKH) schließt 2016 ihre Tore auf dem Betriebsgelände an der Bosestraße. Als wir mit einigen der gut 500 Mitarbeiter der Bahntochter über deren Arbeitsplatzsorgen sprechen wollten, war das gar nicht so einfach.

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Etlichen Busfahrern soll die Geschäftsführung mitgeteilt haben, dass sie nicht mit der Presse reden sollen. Einige hatten von der Anweisung nichts mitbekommen, sie fanden deutliche Worte.

Aus den Worten der Mitarbeiter spricht Enttäuschung. In ihrer Wahrnehmung werden 500 Menschen auf das Abstellgleis gestellt, und das nur, damit die Bahn etwas Geld spare. Mit der Busverkehr Hessen GmbH (BVH) baue die Bahn eine zweite Bustochter in Hessen auf, die mit einer etwas niedrigeren Lohnstruktur den gleichen Markt wie die RKH bediene. Zudem nutze die BVH die Infrastruktur der RKH, unter anderem deren Fuhrpark. Die BVH selbst verfüge nur über drei Busse.

Das sagt der NVV: „Wir fordern Tariflohn“

Sabine Herms, Sprecherin des NVV, weist den Vorwurf zurück, es werde nicht geprüft, dass die beauftragten Busunternehmen den LHO-Tarif erfüllten. In den Verträgen mit dem NVV verpflichteten sich die Busunternehmen, dass sie den Mantel- und Entgelttarifvertrag einhalten. Auch Leiharbeit sei ausgeschlossen. In Stichproben werde die Erfüllung dieser Voraussetzungen geprüft. (bal)

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernhard Rummel spricht von einer „vielfältigen Verstrickung“ der beiden hessischen Busbetriebe der Bahn. Einziger Unterschied sei, dass die RKH-Mitarbeiter aus der Vergangenheit ein paar Vergünstigungen gegenüber den BVH-Kollegen hätten. Während der Bruttostundenlohn mit etwa elf Euro bei der BVH sogar um 20 Cent über dem RKH-Niveau liege, sei die Arbeitszeitregelung bei der BVH strenger, und es gebe kein Weihnachtsgeld. Ein durchschnittliches Gehalt liege bei der RKH bei etwa 1800 Euro brutto.

Eine Busfahrerin, die anonym bleiben möchte, spricht davon, dass es seit Jahren keine Geschäftsführung gegeben habe, die sich für den Standort einsetzte: In knapp 20 Jahren habe es elf Geschäftsführer gegeben. „Aber die Entscheidungen fallen inzwischen ohnehin in den Bahn-Zentralen in Berlin und Frankfurt.“

Das Problem sehen die Mitarbeiter nicht allein bei ihrem Arbeitgeber. Sie bestätigen, dass der Bus-Linienverkehr unter Wettbewerbsdruck gekommen ist.

Das sagen die Busfahrer

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Einige Mitarbeiter behaupten, es gebe private Mitbewerber, die würden ihre Fahrer nicht nach LHO-Tarifvertrag bezahlen und dennoch auf Linien des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) fahren. Zum Teil würden 8,50 Euro Stundenlohn gezahlt. Der NVV verlangt, dass die Auftragnehmer ihre Fahrer nach dem zwischen Ver.di und dem Landesverband Hessischer Omnibusbetriebe verhandelten Tarif bezahlt.

Von Bastian Ludwig 

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