Dauerkarte wird einen Cent günstiger 

Musikfestival "Rock am Stück" wegen Eintrittspreis von 88 Euro in Kritik

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Der Preis von 88 Euro für eine Dauerkarte beim Festival Rock am Stück wurde auf diesem Plakat abgetrennt.

Wegen des Eintrittspreises von 88 Euro steht das Musikfestival "Rock am Stück", das im Sommer in Fritzlar stattfindet, in der Kritik. Deshalb wird die Dauerkarte nun um einen Cent günstiger. 

88. Als die Macher des Open-Airs Rock am Stück in Fritzlar den Preis für ihre Festival-Dauerkarte festlegten, haben sie sich für 88 Euro entschieden. „Wir hatten schon Kartenpreise von 44 und 66 Euro, damit waren für uns 88 Euro die logische Fortführung“, sagt Michael Döring von Lohr-Berg-Werk-Promotion. Schließlich sei das Festival in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen, und statt einem Tag dauere es nun drei Tage – vom 18. bis 20. Juli treten über 40 Bands auf. So weit, so klar.

Doch jetzt sorgt genau dieser Eintrittspreis für viel Aufregung im sozialen Netzwerk Facebook und bei den Veranstaltern. Es geht sogar so weit, dass in Kassel bereits einige der 150 Plakate des mit Bands wie Airbourne und Eisbrecher hochkarätig besetzten Rockfestivals zerstört wurden. „Die 88 wurde herausgetrennt“, sagt Döring und ist ratlos. Denn der Vorwurf der dahinter steckt, erschüttert die Festival-Macher: „Demnach soll es eine versteckte rechtsradikale Botschaft sein“, sagt Döring.

Für was steht die 88?

88. Diese Zahl gilt in der rechtsextremistischen Szene als Symbol für den achten Buchstaben des Alphabets – H. Und somit steht die 88 in diesen Kreisen für HH, eine Abkürzung für Heil Hitler.

88 als Nazi-Symbol

88 Euro: ein Indiz dafür, dass Rock am Stück rechtslastig ist? Gar Nazi-Symbolik verwendet? „Wir hätten nie gedacht, dass wir uns darüber überhaupt mal Gedanken machen müssen: Definitiv ist bei unserem Festival kein Platz für derartiges Gedankengut“, betont Döring. „Wir als Veranstalter und unsere Crew verabscheuen braunes Gedankengut und sonstige Ausgrenzungen genauso wie Extremismus in jegliche Richtung.“ Zu den Rock-am-Stück-Gesellschaftern gehört auch die ICS Festival Service GmbH, die das größte Metal-Festival der Welt verantwortet: das Wacken-Open-Air. Rock am Stück biete jedes Jahr auf seinen Bühnen Platz für ein internationales Band-Line-up und habe Besucher aus ganz Europa und darüber hinaus. „Es ist unfassbar schade, dass ein paar Freaks da einen Spielball gefunden haben“, sagt Döring.

Kritikern keine Plattform bieten 

Darauf angesprochen, dass die Südtiroler Band Unantastbar, deren Frontman Joachim „Joggl“ Bergmeister vor 17 Jahren wie der Freiwild-Sänger Philipp Burger bei der Rechtsrock-Band Kaiserjäger war, schon bei Rock am Stück aufgetreten ist, erklärt Döring: „Wir haben die Band Unantastbar mehrere Jahre beobachtet. Ihre Musik passt zu uns, und die Band distanziert sich deutlich von politischem Extremismus, das ist uns wichtig.“ Er werte die Zeit bei Kaiserjäger als Jugendsünde des Sängers, der damals 20 Jahre alt war.

Döring glaubt auch nicht, dass das etwas mit der aktuellen, anhaltenden Kritik am Dauerkartenpreis von 88 Euro zu tun habe. Das RaS-Team will den Kritikern nun keine Plattform mehr bieten. „Wir drehen an der Preisschraube. Es kann aus organisatorischen Gründen aber etwas dauern, bis das umgesetzt werden kann.“ Künftig soll die Dauerkarte statt 88 Euro 87,99 Euro kosten. 

Das Festival Rock am Stück wächst immer weiter. So ist in diesem Jahr auch die Band Hämatom dabei.

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