Jedes Streichinstrumente ist ein Unikat

Geigenbaumeister Erichson baut und repariert seit 35 Jahren Geigen

Langwierige Arbeit: Roland Erichson beim Bau einer neuen Geige. Diese soll zusammen mit anderen Instrumenten auf der Musikmesse im italienischen Cremona ausgestellt werden. Foto: Koch

Kassel. Das Handwerk ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige überhaupt. Auch in der Stadt Kassel ist die Branche mit 1934 Betrieben und 8700 Beschäftigten traditionell stark – und vielseitig.

In einer Serie stellen wir in den nächsten Wochen und Monaten einige von ihnen vor. Heute: Geigenbaumeister Roland Erichson.

Geigenbögen, Cellosaiten, Streicherklänge: In Roland Erichsons Werkstatt am Brasselsberg dreht sich alles um Musik. Nicht nur auf den Werkbänken liegen Geigen, auch im Nebenzimmer finden sich Celli und ein Kontrabass. Aus der werkstatteigenen Musikanlage ertönen die Klänge eines Streichorchesters. Der 58-jährige Kasseler ist selbstständiger Geigenbauer.

Schon früh hat Erichson begonnen, Geige zu spielen. Den Kontakt zum Instrumentenbau hat der in Schweden geborene Handwerker über seinen Vater: „Er war selbst Geigenbauer und hat es mir vorgelebt“. Zunächst sei der Geigenbau nicht sein Wunschberuf gewesen, doch der erste Auszubildende des Vaters habe ihm einen anderen, objektiveren Blickwinkel auf die Arbeit gegeben, sagt Erichson. Er entschied sich schließlich auch für den Beruf und begann eine Ausbildung im väterlichen Betrieb.

Eigene Werkstatt

Das war vor 35 Jahren. 1987 folgte die Selbstständigkeit samt eigener Werkstatt, in der er heute eine weitere Geigenbaumeisterin, zwei Gesellinnen und eine Auszubildende beschäftigt. Im Büro steht dem Geigenbauer seine Frau zur Seite. Damit gehört Erichsons Werkstatt zu einer der größeren. Obwohl er nur Geigenbauerinnen beschäftige, sei der Beruf dennoch eher eine Männerdomäne, verrät Erichson. In Kassel gibt es nach Angaben des Handwerkskammer nur zwei Gegenbauwerkstätten, im gesamten Kammerbezirk vier.

Zu den Aufgaben des Geigenbaumeisters gehört nicht nur der Neubau, sondern auch die Reparatur und Restauration von Instrumenten. „Das Schönste ist das Kreativsein beim Neubau von Instrumenten“, erzählt Erichson. Dennoch nehmen die Restaurationen die meiste Zeit in Anspruch. Beim Neubau von Geigen zählt Fingerspitzengefühl. Jeder Griff muss hier sitzen. Pro Jahr entstehen daher nur zwei neu gebaute Streichinstrumente in der Werkstatt des Geigenbaumeisters.

Grundsätzlich werden in Erichsons Werkstatt nur Profiinstrumente hergestellt. Jede seiner Geigen ist ein Unikat. Der chinesische Markt für Schülerinstrumente sei produktionstechnisch einfach nicht zu toppen. „Auch qualitätstechnisch wollen wir mit unseren Instrumenten Profiansprüchen gerecht werden.“ Das Schönste sei schließlich, wenn die Qualität seiner Instrumente durch die Auftritte der Künstler auffällt, erzählt Erichson lächelnd. Neben der Klangqualität sei auch das Aussehen der Geigen wichtig: „Ein Instrument soll auch eine optische Wirkung haben.“ Die Decke der Instrumente besteht meistens aus Fichtenholz, das sehr leicht ist. Der Rest wird aus Ahorn gefertigt.

Auch in der nächsten Generation wird die Familientradition fortgesetzt: Erichsons Tochter Anna absolviert derzeit die Ausbildung blockweise in der Werkstatt des Vaters und in einer Instrumentenbauschule.

Geigenbauer

Ausbildungsdauer: In der Regel dreieinhalb Jahre, kann auf drei Jahre verkürzt werden.

Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 419,38 Euro, 2. Jahr 580,68 Euro, 3. Jahr 677,46 Euro.

Einstiegsgehalt: ca. 1000 Euro

Von Janina Müller

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