Martin Eichel feiert heute Geburtstag

106 Jahre: Kassels ältester Einwohner

106 Jahre alt wird heute Martin Eichel: Urenkel Robin freut sich mit dem Geburtstagskind. Foto: Oschmann

Kassel. „Das ist ja schön, kommen Sie, setzen Sie sich“, sagt Martin Eichel fröhlich, schiebt sofort Erdbeerkuchen und Kaffee zur Seite. „Also, dass ich jetzt noch mal in die Zeitung komme, ich war doch schon vor zwei Jahren drin“, sagt der lebhafte Senior munter. Da wurde er 104.

Heute feiert Martin Eichel seinen 106. Geburtstag und ist damit der älteste Einwohner Kassels, wie das Einwohnermelderegister ausweist. „Was, das hätte ich nicht gedacht“, sagt Martin Eichel erfreut.

„Es ist ja alles über mich gesagt“, fährt er schmunzelnd fort, „aber vielleicht finden wir ja noch was“, ergänzt er. Und legt gleich los: „Also, aus dem Garten von meinem Haus an der Weißen Breite, wo ich wohne, hat man mir mein Fahrrad geklaut“, beklagt er sich. „Ich brauche das aber ganz dringend, ich brauche mein Rad zum Schieben für die Einkäufe“, erklärt er.

Die erledigt der außergewöhnlich rüstige alte Herr nämlich regelmäßig in verschiedenen Supermärkten, und ein Rollator kommt für ihn nicht infrage. „Also, ein Schieberad muss her“, stellt Martin Eichel energisch klar.

Der alte Herr, nicht verwandt mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel, stammt aus Breitenbach, wo er mit sechs Geschwistern aufwuchs. „Als ich 14 war, starb mein Vater, das war eine schlimme Lebenswende, ich kam nach Kirchditmold zu meiner Tante Maria und machte eine Schreinerlehre“, erzählt er.

Trost suchte er bei der evangelischen Freikirche. „Diese Gemeinde, der Glaube haben mich stark geprägt“, erzählt Martin Eichel. Von seinem unvergessenen bulgarischen Freund Nikolai ließ er sich zum Prediger ausbilden.

1942 heiratete er seine Frau Trautel, mit der er Sohn Norbert bekam und ab 1949 an der Weißen Breite lebte. Dort hatte ihm die Bahn, bei der Martin Eichel inzwischen Angestellter war, als Notunterkunft einen ausrangierten Waggon überlassen, der heute noch im Garten steht. Nach Trautels Tod 1977 blieb der Witwer allein.

Freude am Urenkel

Bis heute lebt der frühere Bundesbahninspektor selbstständig, versorgt sich und sein Haus. Sein Sohn Norbert, der in der Nähe lebt, hilft ihm mit dem Garten am Rammelsberg.

„Ganz toll ist unser Robin-Tag“, erzählt Martin Eichel strahlend. Dann trifft er sich mit seinem Urenkel Robin im Haus seines Sohnes am Berggarten. Dorthin kommt er natürlich mit dem Fahrrad - wenn er wieder eins hat.

Wie man so alt werden kann, darüber sind der Neunjährige und sein Uropa durchaus verschiedener Meinung. „Er hat bestimmt gesund gelebt und nicht geraucht“, vermutet Robin. „Es ist mein Glaube an Gott“, ist die Überzeugung des ungewöhnlichen Jubilars.

Von Sabine Oschmann


Ereignisse aus dem Jahr 1907

Als Vertreter des Jahrgangs 1907 steht Martin Eichel in einer Reihe mit zum Beispiel Leonid Breschnew, Manfred von Ardenne, Zarah Leander, Joseph-Armand Bombardier, dem preußischen Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, Astrid Lindgren und Claus Graf Schenk von Stauffenberg. 1907 kam aber auch das Waschmittel Persil auf den Markt, die Marke Homa für Margarine wurde ins Handelsregister eingetragen und die Firma Shell gegründet.

Man entdeckte den Asteroiden Kastalia, der Tierpark Hagenbeck wurde gegründet und am 17. Dezember die Operette „Försterchristl“ uraufgeführt. Die Verfilmung von Ben Hur löste wegen unklarer Urheberrechte den ersten Plagiatsprozess der Filmgeschichte aus. Das Hotel Adlon eröffnete ebenso wie das Luxuskaufhaus KaDeWe, im damals Deutschen Reich wurden einheitlich angebrachte Kraftfahrzeugkennzeichen eingeführt und es gab das erste Pfadfinderlager der Welt. Und nicht zuletzt erhoben 1907 die Frauen die Stimme: 3000 britische Suffragetten gingen in England für das Frauen-Wahlrecht auf die Straße.

Am 14. August 1907 empfing Kaiser Wilhelm II. auf Schloss Wilhelmshöhe den englischen König Eduard VII. 70 000 Menschen jubelten den beiden zu. Im gleichen Jahr wurde der Neubau für die Polizei am Königstor fertig. (pom/tos)

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