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Kasseler Roller-Skate-Park war Anfang der 1980er-Jahre ein Hit

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Von: Katja Rudolph

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Rudolf Schuster 1983 beim Guiness-Rekordversuch in der Rollschuhdisco.
24-Stunden-Dauerrollen: Rudolf Schuster (vorn) 1983 beim Guiness-Rekordversuch in der Rollschuhdisco. © Privat

Wo heute die „Lolita Bar“ ist, war früher die erste und einzige Kasseler Rollschuhdisco. In den 80er-Jahren war der Roller-Skate-Park ein Hit.

Wer heute in der „Lolita Bar“ tanzt, tut dies auf geschichtsträchtigem Boden: Das Parkett in der kultigen Bar nahe des Kasseler Hauptbahnhofs stammt aus der ersten und einzigen Kasseler Rollschuhdisco. Deren Geschichte hat kürzlich das Kasseler Rollschuhmagazin ausgegraben. Der Roller-Skate-Park eröffnete im März 1983 an der Sandershäuser Straße und gehörte wenige Jahre zu den angesagtesten Adressen für die rollschuhlaufende Jugend. „Rollschuhlaufen zu Discoklängen, dazu eine leistungsstarke Lichtorgel, in unmittelbarer Umgebung gemütlich eingerichtete Sitzecken mit Springbrunnen“, hieß es seinerzeit im HNA-Artikel, in dem der Geschmack der 80er-Jahre greifbar wird. Auch der Boden wird erwähnt: „Der Spezialschwungbogen aus südamerikanischem Kambala-Hartholz schließt Splitterwirkung weitestgehend aus.“

Vierer auf Rollen: Auch diese Aufnahme entstand 1983 im Roller-Skate-Park.
Vierer auf Rollen: Auch diese Aufnahme entstand 1983 im Roller-Skate-Park. © Privat

1979 war der Rollschuhtrend aus den USA herübergeschwappt. Damals waren in Kassel mitunter sogar Banker mit Aktenkoffer unterm Arm und Rollschuhen an den Füßen auf dem Weg zur Arbeit. Auf dem Königsplatz – damals noch mit Springbrunnen in der Mitte und von einer Mauer umgeben – traf sich die hiesige Rollschuhszene. Dazu gehörten auch Horst Meise und Rudolf Schuster.

Horst Meise in der Disco.
Sprung auf Rollen: Horst Meise in der Disco. © Privat

„Da gab es so einen schönen roten, glatten Belag“, erinnert sich Horst Meise, der heute in Wabern lebt. Er und die anderen aus der Rollschuh-Clique sprangen dort über die Bänke und übten sich in Tricks auf den Rollen. Als dann 1983 der „Roller-Skate-Park“ in Bettenhausen öffnete, gehörten die Rollschuh-Experten vom Königsplatz dort zu den Coolsten. Aber auch weniger Erprobte konnten sich in der Disco Schuhe ausleihen und auf der Roller-Skate-Welle mitrollen.

Mit Tanzpartnerin: Rudolf Schuster war auch ein Mädchenschwarm in der Disco.
Mit Tanzpartnerin: Rudolf Schuster war auch ein Mädchenschwarm in der Disco. © Privat

Rudolf Schuster, damals 19 Jahre alt, hätte es zusammen mit vier weiteren Jugendlichen im Sommer 1983 beinahe ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Beim Sommerfest des Skate-Parks stellte das Quartett einen Rekord im 24-Stunden-Dauerrollschuhlaufen auf. Dabei überboten sie den bisherigen Weltrekord um mehr als 40 Kilometer, wie auch die HNA berichtete. Am Ende sei der Rekord nicht anerkannt worden, erzählt Schuster: weil die Pausenzeiten vorher nicht genau festgelegt waren.

Rudolf Schuster
Rudolf Schuster © Privat

Ob Rekord oder nicht: In der kurzen roten Turnhose, mit muskulösen Beinen und gekonnten Tanzfiguren zog Schuster die Blicke auf sich. Sogar im Staatstheater rollte er bei einem Rollschuhstück einige Jahre später als Statist über die Bühne. Zum Training habe er sich oft mit Horst Meise im heimischen Keller getroffen, erzählt der heute 58-Jährige. „Dadurch konnten wir ziemlich gut auf engem Raum fahren.“

Die Glanzzeit der Rollschuhdisco, die später „Roller-Oase“ hieß, war kurz. Die letzten Erwähnungen gibt es 1986 in der HNA, vermutlich schloss die Disco wenig später. Auch Fotomaterial zur Rollschuhdisco ist rar – damals hatte eben nicht jeder ein Handy mit Kamera in der Hosentasche.

Im Zuge der aktuellen Rollschuh-Renaissance sind unter anderem in Hamburg, Wien und St. Gallen bereits neue Rollschuhdiscos entstanden. Das Team des Kasseler Rollschuhmagazins würde auch hier zumindest einmalig in diesem Sommer eine Rollschuh-Disco-Party veranstalten. Dafür wird noch eine Halle mit mindestens 300 Quadratmetern und ebenem Boden gesucht.

Von Katja Rudolph

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