Sportlicher Rundkurs in der Kesselschmiede

Im Rolli über die Rampen: Profi zeigte in Kassel seine Tricks

Furchtlos in die Halfpipe: Der neunjährige Maurice Mertens (links) lernte schnell, wie er in seinem Sportrollstuhl am besten die Rampen in der Kesselschmiede überwindet. Mitveranstalter und Weltmeister David Lebuser (rechts) gab Tipps. Fotos (2): Schaffner

Kassel. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, muss längst nicht mehr auf Sport verzichten. Rollstuhlbasketball ist seit Jahren eine anerkannte Mannschaftssportart. Jetzt erobern Rolli-Fahrer zunehmend auch Skateboardanlagen. Deutschlands einziger Profi-Skater im Rollstuhl, David Lebuser aus Dortmund, zeigte in Kassel seine Tricks.

Er hat Rolli-Fahrern in der Halle des Kasseler Skateboardvereins Mr. Wilson, wie es geht.

„Wer weiß, wie man eine Halfpipe hoch und wieder herunter kommt, wird auch im Alltag mit dem Rollstuhl sicherer“, sagte David Lebuser. Der 27-Jährige ist seit fünf Jahren querschnittsgelähmt und hierzulande ein Pionier der jungen Sportart namens Chairskating. Dass die rund ein Dutzend Teilnehmer zu Beginn hin und wieder an einer Halfpipe umkippen, sei völlig normal, sagte Lebuser, der kürzlich die noch inoffizielle Chairskating-WM in den USA gewonnen hat. Um Verletzungen zu vermeiden, wurde jeder Kursteilnehmer vorab mit Helm, Knie- und Ellbogenschützern ausgestattet.

Maurice Mertens aus Siegen (NRW), mit neun Jahren der jüngste Teilnehmer, macht das alles nichts aus. Auch wenn er zum ersten Mal mit seinem Rollstuhl in einer Skatehalle ist, hat er den Dreh schnell raus. „Das macht richtig Spaß“, ruft er vergnügt, während er mit Schwung die ersten kleinen Hindernisse meistert.

Schon etwas erfahrener ist Paul Engel (13) aus Kassel. Der Schüler kennt die Rampen in der Brandaustraße schon länger. Er skatet seit einem Jahr regelmäßig in der Kesselschmiede: „Supermarktrampen und Bordsteine sind für mich kein Problem mehr.“

Keine Angst vor steilen Hindernissen: Auch Paul Engel (13) aus Kassel nahm an dem Schnupperkurs teil.

Nachdem David Lebuser bereits im vergangenen Jahr für den Deutschen Rollstuhl-Sportverband bei Mr. Wilson einen Schnupperkurs veranstaltet hatte, hofft der Geschäftsführer des Vereins, Matthias Weiland, jetzt auf eine langfristige Kooperation: „Wir sind guter Dinge, dass sich der Workshop in Kassel etabliert und künftig jedes Jahr stattfindet.“ Wer sich mit seinem Rollstuhl einmal in der Kesselschmiede ausprobieren möchte - bei Mr. Wilson macht es keinen Unterschied, ob man mit Skateboard, BMX-Rad oder Rollstuhl vorbeikommt.

Hintergrund: Warum eigentlich Mr. Wilson? 

Offiziell heißt der Verein zwar 1. Skateboardverein Kassel, im Sprachgebrauch nennt ihn jedoch fast jeder Mr. Wilson. Warum eigentlich? Als „Mr. Wilson“ bezeichnet man im Skateboarder-Jargon einen typischen Anfängersturz. Dabei schießt das Skateboard durch falsche Gewichtsverlagerung nach vorne weg und reißt dem Skater förmlich den Boden unter den Füßen weg.

Ursprünglich stammt der Ausdruck aus der Fernsehserie „Dennis“, in der ein Mr. Wilson sich regelmäßig auf diese Weise verletzt. So hat sich der Ausdruck etabliert - auch rund um die Kasseler Kesselschmiede. (psn)

Von Sebastian Schaffner

Archivvideo: Chairskating mit David Lebuser in Kassel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.