Kassel

Entsorgte Rollstühle kommen jetzt nach Rumänien

Aus dem Container auf den Anhänger: Landwirt Günter Rüddenklau hat gestern die entsorgten Rollstühle und Rollatoren beim Awo-Pflegeheim in Wehlheiden abgeholt. Nächste Woche sollen sie nach Rumänien gebracht werden. Über diese Lösung ist auch Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo, glücklich.
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Aus dem Container auf den Anhänger: Landwirt Günter Rüddenklau hat gestern die entsorgten Rollstühle und Rollatoren beim Awo-Pflegeheim in Wehlheiden abgeholt. Nächste Woche sollen sie nach Rumänien gebracht werden. Über diese Lösung ist auch Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo, glücklich.

Kassel/Calden – Nicht mehr benötigte Rollstühle und Rollatoren wurden kürzlich von dem Awo-Pflegeheim am Gesundheitszentrum an der Wilhelmshöher Allee in Wehlheiden in einem Müllcontainer entsorgt. Nachbarn hatten sich darüber aufgeregt und die HNA informiert. Der Artikel sorgte dann für reichlich Empörung. Als Vergeudung und Verschwendung wurde diese Entsorgungsaktion kommentiert.

Jetzt hat dieser Vorgang eine glückliche Wendung genommen: Gestern hat Bio-Landwirt Günter Rüddenklau aus Calden die rund 15 Rollstühle und Rollatoren, die von mittlerweile verstorbenen Bewohnern des Pflegeheims stammen, abgeholt.

Rüddenklau organisiert zusammen mit dem Landwirt Ottmar Rudert aus Liebenau-Ostheim seit 15 Jahren Hilfstransporte nach Osteuropa. Dazu sei es gekommen, weil sie auf ihren Höfen immer Praktikanten aus Osteuropa beschäftigt hätten. Als sie einen Praktikanten im Jahr 2008 anschließend in seiner Heimat Moldawien besuchten, habe man festgestellt, was den Menschen dort alles fehlt. Seitdem organisieren die beiden Landwirte Hilfstransporte, mittlerweile bis zu 15 pro Jahr.

Bereits nächste Woche Dienstag sollen die Rollstühle nach Rumänien gebracht werden, sagt Rüddenklau. Nicht nur die vom Awo-Pflegheim. Nachdem die HNA berichtet hatte, dass Rüddenklau Interesse an diesen Rollstühlen hat, hätten sich noch weitere Einrichtungen gemeldet, die Hilfsmittel für gehbehinderte Menschen abzugeben haben.

Rüddenklau berichtet, dass Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren für die ärmere Bevölkerung in Rumänien nicht zur Verfügung gestellt werden. Deshalb müssten alte Menschen zum Teil an Holzstöcken gehen, weil sie keine Krücken hätten. Um so größer sei die Freude, wenn es Spenden aus Deutschland gebe. Die Rollstühle würden in Rumänien, wo die Landwirte mit Kirchengemeinden und Behindertenwerkstätten zusammenarbeiten, zunächst gecheckt und repariert.

„Jetzt haben wir doch noch eine schöne Lösung gefunden“, sagte Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo, gestern bei der Übergabe. Normalerweise würde die Awo nicht mehr benötigte Hilfsmittel an eine Organisation in Fulda abgeben. Die letzten Monate seien für die Einrichtungen – bedingt durch die Coronapandemie – aber sehr belastend gewesen, so Wieder. Deshalb habe man einen Weg gesucht, die Rollstühle schnell entsorgen zu können, und einen Container zur Entsorgung aufgestellt.

Wieder merkt auch an, dass eigentlich die Krankenkassen für die in Pflegeheimen nicht mehr benötigten Hilfsmittel zuständig sind. Diese würden die Verantwortung aber an andere Institutionen verlagern, die eigentlich etwas anderes zu tun hätten, so ihre Kritik.

In dem Müllcontainer neben dem Pflegeheim in Wehlheiden ist seit gestern jedenfalls wieder sehr viel Platz. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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