Freiwilligendienst an der Uni: Katharina Tielmann ist querschnittsgelähmt und berät behinderte Studenten

Rollstuhlfahrerin hilft bei Handicaps

Hilft Studenten: Katharina Tielmann absolviert den Bundesfreiwilligendienst an der Uni Kassel im Bereich Studium mit Behinderung. Foto: Sasse

Kassel. Sie ist selbst seit der Geburt querschnittsgelähmt. Nun unterstützt sie andere Studenten mit Behinderungen im Unialltag. Katharina Tielmann arbeitet seit einem Jahr im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) an der Uni Kassel im Bereich Studium mit Behinderung.

Ob sie sich aufgrund ihrer Behinderung besonders gut in die Probleme der Studenten einfühlen kann? Da ist sich die 23-Jährige, die aus dem Ruhrgebiet stammt, nicht sicher. „Ich weiß ja nur, wie es ist, in meinem Körper zu sein“, sagt sie. Das sieht der stellvertretende Koordinator für den Bereich Studium und Behinderung anders: Katharina Tielmann als selbst Betroffene habe „einen besonderen Blickwinkel auf die Probleme, mit denen behinderte Studenten konfrontiert sind“, sagt André Pape.

In den Vorlesungen dabei

Die 23-Jährige hilft Studenten, die beispielsweise an Multipler Sklerose leiden oder eine Sehbehinderung haben. „Ich besuche für sie Vorlesungen, schreibe dort mit oder hole Bücher aus der Bibliothek“, sagt sie. Wer die Hilfe der jungen Frau in Anspruch nimmt, hat oft eine Assistenz für das Studium beantragt, also eine Person, die im Studienalltag hilft. Solange die Studenten diese Hilfe noch nicht haben, springt Katharina Tielmann ein. „Oder wenn jemand spontan Hilfe braucht“, sagt sie.

Die Studenten und Dozenten an der Uni Kassel würden in der Regel Rücksicht auf Studenten mit Behinderung nehmen, sagt die aufgeschlossen und unkompliziert wirkende junge Frau. Mit dem Rollstuhl stoße man auf dem Campus aber manchmal auf Barrieren. „Das Kopfsteinpflaster ist schwer zu befahren.“ Das sei besonders im Winter der Fall, wenn der Schnee nicht geräumt sei. Auch viele Abkürzungen, die Fußgänger nehmen können, fallen für Rollstuhlfahrer weg.

So kann es auch mal passieren, dass Tielmann selbst um Hilfe bitten muss. „Bei Botengängen in die Bibliothek komme ich nicht an die hohen Regalfächer.“ Dann helfen die Mitarbeiter der Bibliothek. Nicht so leicht ist es mit dem Rollstuhl auch in einem Hörsaal an der Kurt-Wolters-Straße. Dort sind die Rollstuhlplätze in der letzten Reihe. Wenn sie dann etwas von der Tafel abschreiben muss, sei es oft schwer zu lesen. Obendrein handelt es sich für Tielmann ja um unbekannte Themen: Sie besucht die Vorlesungen schließlich nur stellvertretend.

Eigenes Studium soll folgen

Sie selbst hatte zunächst eine Ausbildung zu Industriekauffrau begonnen. Ihre Mutter habe ihr geraten, etwas Kaufmännisches zu machen – da würde sie mit dem Rollstuhl gut einen Job finden, erzählt Katharina Tielmann. Doch der Beruf war nichts für sie. Ihr Freund riet ihr, sich umzuorientieren. Er studierte bereits an der Uni Kassel und stellte den Kontakt zu Saku-Hanna Hagenauer, Koordinatorin des Bereichs Studium mit Behinderung, her. Diese bot Tielmann den Freiwilligendienst an.

Der 23-Jährigen gefällt es so gut, dass sie nun um ein Jahr verlängert hat. Auch um sich darüber klar zu werden, was sie selbst studieren möchte.

Von Lara Sasse

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