Verhandlungspartner planen für Bürger-Genossenschaft – Kleinanleger sollen an Energiewende verdienen

Rot-Grün will Stromgeld sammeln

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Neubewertung seit Fukushima: Windkraftanlagen gelten als zentrale Bausteine einer Energiewende, Investoren prüfen daher jetzt verstärkt auch windreiche Standorte in Nordhessens Mittelgebirgen. Unser Foto zeigt Wartungsarbeiten auf einem Rotor in Brandenburg. 

Kassel. Mit überschaubaren Geldbeträgen sollen sich Kleinanleger in Kassel bald direkt an der regionalen Energiegewinnung aus Biomasse, Wind- und Sonnenkraft beteiligen können, wenn es nach Energiepolitikern von SPD und Grünen im Stadtparlament geht.

In den Fachrunden ihrer Beratungen über eine Zusammenarbeit nach der Wahl sind sich beide Seiten weitgehend einig, dass eine Bürger-Energiegenossenschaft Kassel gegründet werden soll. Eine gemeinsame Positionierung auf Ebene der Parteien steht aber noch aus.

Klar ist für die Verhandlungspartner jedenfalls: Nach der Atomkatastrophe in Japan steht der Ausbau regenerativer Energiequellen ganz oben auf der Tagesordnung. Und es gibt offenbar viele private Interessenten, die bereit sind, etwas Geld in solche Vorhaben zu stecken. Dieses Interesse müsse in die Region gelenkt werden, fordert Harry Völler von der SPD: „Wir wollen die Wertschöpfung hier bei uns haben – sonst investieren die Leute woanders.“

Völlers Vorstellung: Über den Verkauf von Genossenschaftsanteilen könnte Kapital gesammelt werden, mit dem dann ausgewählte Öko-Energie-Projekte in der Region finanziert werden. Ein Anteil solle für 500 Euro erhältlich sein, die Höchstbeteiligung auf 20 Anteile limitiert werden. Die Genossenschaftsform nach dem Grundsatz „eine Stimme pro Mitglied“ ermögliche unabhängig vom Anteilsguthaben eine außerordentlich demokratische Mitbestimmung. Und mit einer Vielzahl geförderter Energieprojekte könnten die Risiken einer solchen Geldanlage breit gestreut werden, meint der SPD-Umweltpolitiker. Völler geht davon aus, dass die Anleger „regelmäßige und attraktive Ausschüttungen“ erwarten können.

Eva Koch, energiepolitische Sprecherin der Grünen, bewertete ein solches Beteiligungsmodell als „sinnvolle Sache, an der sicher sehr viele Leute Interesse hätten.“ Nachdem 2010 ein rot-grüner Vorstoß gescheitert war, die Bürger über einen Fonds an den Städtischen Werken zu beteiligen, sieht Koch in den Genossenschafts-Plänen nun „einen neuen Ansatz, das Thema Bürgerbeteiligung anzupacken“. Zudem sei der aktuelle Hintergrund Atomausstieg und Energiewende vor einem Jahr noch gar nicht absehbar gewesen. Dadurch seien nun verstärkt die windenergieträchtigen Mittelgebirgsstandorte ins Interesse von Investoren gerückt. „Es wäre besser, wenn wir die vor Ort mit lokalen Akteuren erschließen könnten“, sagt Eva Koch. Auch Harry Völler von der SPD sagt: „Neue Anlagen sollten dort stehen, wo die Energie auch benötigt wird.“

Von Axel Schwarz

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