Operation nach schweren Verbrennungen

Rot-Kreuz-Krankenhaus: Siebenjährige aus Angola freut sich auf Besuch

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Kann den Kopf bald wieder richtig bewegen: die kleine Sandra Maria. Professor Dr. Ernst Magnus Noah hat sie unentgeltlich operiert. In der Mitte ist Assistenzärztin Dr. Mernoosh Akvanpoor zu sehen.

Kassel. Die siebenjährige Sandra Maria aus Angola hat bald wieder mehr Lebensqualität. Das  Mädchen, das sich in seiner Heimat schwere Verbrennungen zugezogen hat, ist am Freitag im Rot-Kreuz- Krankenhaus Kassel (RKH) operiert worden. Das Kind sprach nicht - denn keiner spricht portugiesisch.

Als ich das Krankenzimmer betrete, schaut die kleine Sandra Maria mich interessiert, aber auch ängstlich und verschüchtert an. Die siebenjährige Angolanerin ist tausende von Kilometern von ihrer Heimat, von Eltern, Schwester und Freunden entfernt, ganz allein in Kassel. Und sie versteht kein Wort Deutsch, spricht nur Portugiesisch. Ärzte und Pflegepersonal tun alles, damit sich die Kleine während des 14-tägigen Klinikaufenthalts im Rot- Kreuz-Krankenhaus (RKH) Kassel halbwegs wohlfühlt, aber sie können nicht mit ihr kommunizieren, auch weil das Mädchen bisher noch keinen Ton von sich gegeben hat.

Die Reaktionen auf diesen Artikel

Viel Anteilnahme für kleines Mädchen aus Angola

Als ich – gebürtiger Portugiese und seit fast 28 Jahren Mitarbeiter der HNA-Redaktion – sie in ihrer Sprache anspreche, huscht ein kaum wahrnehmbares Lächeln über ihr hübsches Gesicht. Und als ich einen Plüschpinguin aus dem Geschenke-Rucksack zaubere und mit ihr einen lustigen Namen für ihn finde, wird aus dem zaghaften Lächeln ein deutlich sichtbares.

Nach kurzer Zeit taut Sandra Maria auf und erzählt – vor allem wegen der Schmerzen nach einer komplizierten plastischen Operation am Hals – zunächst verhalten von Zuhause, ihrer Familie, der Schule, Freunden. Ärztin Dr. Mernoosh Akavanpoor kann es kaum fassen: „Das ist das erste Mal, dass ich sie reden höre. Ich habe ihre Stimme zuvor nicht gehört“, sagt die junge, fast zu Tränen gerührte Medizinerin. Sie kümmert sich gemeinsam mit dem Pflegepersonal seit Freitag um das aufgeweckte Mädchen aus dem Nordosten des afrikanischen Landes. Aber als ich ihr Seifenblasen ins Gesicht puste und sie dann selbst welche machen darf, lacht die Kleine aus vollen Hals.

HNA-Redakteur Jose Pinto

Wie sich Sandra Maria die schweren Verbrennungen zugezogen hat, wissen weder die Kasseler noch die Hilfsorganisation „Friedensdorf International“ in Oberhausen (siehe auch Hintergrund), die seit 47 Jahren verletzte und kranke Kinder aus der Dritten Welt zur Behandlung nach Deutschland holt. Aber sie vermuten, dass das freundliche Kind vor ungefähr zwei Jahren vermutlich in eine auf dem Lande übliche offene Feuerstelle im Haus gestürzt ist. Eine medizinische Behandlung gab es offenbar nicht. Die Folge: Die Haut an Hals und Brust wuchs derart ungünstig zusammen, dass die Bewegung des Kopfes stark eingeschränkt war.

Das Team um Professor Dr. Ernst Magnus Noah, das bereits 20 unentgeltliche plastische Operationen an Kindern aus der Dritten Welt vorgenommen hat - wie in diesem Fall auch -  machte einen großen Schnitt am Hals und schloss die Riesenwunde mit Lappen, die sie im Schulterbereich des Mädchen entnommen hatten. Ende nächster Woche holt die Hilfsorganisation sie ins eigene Heim zurück. Dort bleibt sie noch einige Monate. Dann wird sie nach Hause geflogen.

Damit sich Sandra Maria nicht so furchtbar langweilt, können Portugiesisch sprechende Menschen sie gern besuchen – idealerweise Familien mit Kindern. Sie liegt auf der Station 3c.

Von Jose Pinto

Spendenaufruf

Der Krankenhausaufenthalt darf aus rechtlichen Gründen nicht über das Kassenbudget abgerechnet werden. Daher bittet Noah um Spenden auf das Konto des RKH: Evangelische Kreditgenossenschaft, Konto: 9660, BLZ: 52060410, Stichwort: Spende, Plastische Chirurgie, Prof. Noah, Sandra.

Hintergrund: Angola

Angola liegt im Westen Südafrikas am Atlantik nördlich von Namibia (ehemals Deutsch-Südwestafrika). Das Land, das erst1974 die fast 500-jährige Kolonialherrschaft von Portugal abschütteln konnte und dann in einen 27 Jahre währenden Bürgerkrieg fiel, hat rund 21 Millionen Einwohner. Amtssprache ist noch immer Portugiesisch, allerdings wird sie von nur 30 bis 40 Prozent der Menschen gesprochen. Daneben gibt es 40 afrikanische Sprachen und Dialekte. Die Republik wird von dem autoritären Präsidenten José Eduardo dos Santos regiert. Eine Demokratie in unserem Sinne gibt es nicht, dafür aber viele Menschenrechtsverletzungen. Angola ist die drittgrößte Volkswirtschaft des Kontinents und verfügt über viele Bodenschätze. Dennoch lebt der Großteil der Bevölkerung in Armut. (jop)

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