Ungewöhnliche Beton-Plastik in Rothenditmold

Fünf Pferdehintern: Neues Kunstwerk zieht in Kassel Blicke auf sich

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Größer als der Künstler selbst: Fünf Pferdehintern in Originalgröße stehen seit dem Wochenende an der Wolfhager Straße. „Pääreschwänze“ heißt das Beton-Kunstwerk von Siegfried Böttcher.

Fünf Pferdehintern in Originalgröße stehen an der Wolfhager Straße. „Pääreschwänze“ heißt das Beton-Kunstwerk von Siegfried Böttcher, das Fragen aufwirft und Blicke auf sich zieht.

Verwunderte Blicke, vorsichtige Hände, die sich entlang der Beine, am Schweif und bis auf die Kruppe vortasten: Fünf pralle Pferdehintern zieren nun die Kreuzung Gelnhäuser Straße/Ecke Wolfhager Straße. Ja, richtig gehört: Wir sprechen von den Hinterteilen von Tieren. Aber was hat es mit der auffälligen Popo-Beton-Skulptur in Rothenditmold auf sich? Wer dreht uns denn da eigentlich den Hintern zu?

„Die Ärsche stehen“, verkündet Künstler Siegfried Böttcher auf seiner Facebook-Seite. Zwar erst seit wenigen Tagen, aber mit 1,80 Meter unübersehbar. Originalgröße – versteht sich. Und es sorgt bereits für Aufmerksamkeit, Diskussionen und wirft Fragen auf. Familien bleiben beim Sonntagsspaziergang stehen, Kinder laufen lachend um die Pferdebeine und gucken erstaunt zwischen den Hufen durch.

Kunstwerk steht an ehemaliger Tränke für Pferde

„Denen, die noch nicht Jahrzehnte in Rothenditmold wohnen, ist nicht klar, was es mit den Tieren auf sich hat“, sagt Ortsvorsteher Hans Roth. Am Wochenende hätte es viele positive Reaktionen gegeben. Nur vereinzelt hätte sich bislang jemand negativ zum neuen Kunstwerk geäußert.

Waren Pferde in Rothenditmold vor Jahrzehnten noch ein alltägliches Bild, sind sie heute nahezu eine Seltenheit geworden. Vielen Bewohnern ist deshalb nicht mehr bekannt, dass in dem Bereich, wo jetzt die Skulptur aufgestellt wurde, früher die letzte Möglichkeit vor der Innenstadt bestand, Tiere an einer Wasserstelle zu tränken. Zu dieser Zeit säumten die Straßen von Rothenditmold also zahlreiche Pferdehintern und sorgten damit auch für den Spitznamen der Bewohner – nämlich „Pääreschwänze.“ 

„Als ich nach Kassel kam, ist mir sofort die Verballhornung der Stadtteile aufgefallen“, sagt Siegfried Böttcher. Ob in Harleshausen die Ossen (Ochsen), die Kirchditmolder Zäjenböcke (Ziegenböcke) oder im Wolfsanger die Spanschlauch-Biedel (spanische Lauchbeutel), um nur einige Beispiele zu nennen. Die Rothenditmolder sind mit Blick auf das historische Stadtbild die „Pääreschwänze“ (Pferdeschwänze).

Auch Böttcher musste bei der Inspiration für seine Skulptur in andere Stadtteile ausweichen: Für seine Arbeit hätten ihm netterweise die Pferdedamen Naila, Fynnja und Tina am Rammelsberg Modell gestanden, erzählt er. Die Idee, Kunstwerke im Stadtteil aufzustellen, plant man bereits seit geraumer Zeit. Den Anstoß dafür gab der Verein „Wir für Rothenditmold“. Eine Jury entschied sich für die Beton-Plastik „Pääreschwänze“.

Pferdehintern sollten schon 2017 in Kassel aufgestellt werden

Eigentlich sollte die Skulptur bereits im vergangenen Jahr aufgestellt werden – allerdings gab es Komplikationen. Eines der Pferde brach sich ein Bein als es auf einem Anhänger von der Werkstatt zum Aufstellungsort transportiert wurde. Die Reparatur dauerte, da Böttcher die Skulptur von Hand modelliert. Mit seinem Kunstwerk, das mit 10.000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt finanziert wurde, möchte Böttcher den Spitznamen der Rothenditmolder wieder ins Gedächtnis rufen. Er will den Anblick der damaligen Zeit in die Gegenwart zurückholen, um Rothenditmold als Sinnbild der Tränke wieder präsent zu machen.

Böttcher plant seine Plastik mit goldenen Pferdeäpfeln zu erweitern, die als Werbefläche mit einem digitalen QR-Code versehen werden können, über die sich Künstler vernetzen können. Man darf also gespannt sein, wie sich das Kunstwerk entwickeln wird. Auf jeden Fall sollten alle Rothenditmolder jetzt wieder wissen, warum sie denn die „Pääreschwänze“ sind.

Hier befinden sich die Pferdehintern in Kassel

Wer ist Siegfried Böttcher?

Siegfried Böttcher (52) kommt gebürtig aus der Pfalz. Der Künstler lebt und arbeitet seit dem Jahr 1989 in Kassel. Sein Atelier hat er in der Hammerschmiede an der Wolfhager Straße. In Kassel hat Böttcher unter anderem das bekannte Ich-Denkmal auf dem Brüder-Grimm-Platz nach den Vorstellungen von des Künstlers Hans Traxler gestaltet.

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