Patientenzuwachs

Ihr liegen Kinder am Herzen: Ärztin sucht Nachfolger für ihre Praxis in Rothenditmold

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Sucht einen Nachfolger: Kinderärztin Dr. Ortrud Lind-Weitzel in ihrer Praxis in Rothenditmold. 

Seit fast 30 Jahren arbeitet Ortrud Lind-Weitzel als Kinderärztin in Rothenditmold. Seit einiger Zeit sucht die 63-Jährige einen Nachfolger für ihre Praxis – bislang vergeblich.

Da ist zum einen das generelle Problem: Dass viele junge Ärzte die Selbstständigkeit scheuen. Zum anderen würden die meisten aber eben auch eher ins Stadtzentrum oder in große Praxen ziehen wollen und nicht in die Stadtteile, sagt Lind-Weitzel.

Zudem mache sich bei Kinderärzten der Generationenumschwung derzeit besonders bemerkbar. Viele Kollegen würden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Nachfolger sei in dem Bereich insgesamt schwierig.

Den Standort an der Döllbachstraße hat sie sich damals zusammen mit ihrem Mann, der Allgemeinmediziner ist, bewusst ausgesucht. Die Kinderarztpraxis ist an die Räumlichkeiten ihres Mannes und eines Kollegen angegliedert – auch sie suchen Nachfolger.

Zahl der Patienten stark gewachsen

Rothenditmold sei schon immer ein Stadtteil mit einem hohen Migrationsanteil gewesen. Aber eben das mache die Arbeit reizvoll und besonders. „Vielleicht ist es ein bisschen meine Passion“, sagt die kleine Frau mit den braunen Haaren. Man merkt ihr sofort an, dass die Übergabe ihrer Praxis für sie eine Herzensangelegenheit ist. Für ihre Nachfolge würde sie sich jemanden wünschen, der den „innenstadtnahen Multikulti-Stadtteil“ und seine Bewohner genauso schätzt wie sie selbst. Alle seien untereinander gut vernetzt, überall gäbe es Unterstützung, wenn jemand Hilfe benötige.

„Wer meine Nachfolge antritt, der müsste dann aber wahrscheinlich in neue Räume umziehen“, sagt Lind-Weitzel. Die Zahl der Patienten sei über die Jahre stark gewachsen. Aber auch da gäbe es schon Möglichkeiten. „Ich würde mich finanziell am Umzug beteiligen“, sagt die Kinderärztin. Auch über den Ein- und Ausstieg können man reden.

„Ein Kinderarzt ist eben der Hausarzt für Kinder und Jugendliche“, sagt Lind-Weitzel. Deshalb sei es gerade bei Kinderärzten wichtig, dass sie in Stadtteile gehen. In Rothenditmold gibt es beispielsweise besonders viele kinderreiche Familien, Alleinerziehende und auch besonders viele Kinder unter sechs Jahren im Vergleich zu anderen Stadtteilen.

Die Versorgung in Rothenditmold sei vielleicht zeitaufwendiger, weil die Verständigung manchmal Probleme bereite. Oft kämen auch Patienten mit Freunden und Verwandten, die übersetzen sollen. Für viele ist der Hausarzt nicht nur bei gesundheitlichen Problemen der erste Ansprechpartner. Gerade bei Säuglingen falle zudem auf, dass es zu wenig Hebammen gebe. Oftmals kommen gerade junge Eltern mit Problemen in die Praxis, die sonst von Hebammen betreut würden. 

Aufnahmestopp bei Kasseler Kinderärzten

Der Bedarf an Kinderärzten steigt in Kassel: Immer mehr  Eltern haben Schwierigkeiten damit, einen Kinderarzt in Kassel zu finden. Die Situation ist so prekär, dass diele Mediziner bereits einen Aufnahmestopp verhängt haben. 

Auf dem Papier ist Kassel außerdem medizinisch nicht unterversorgt, es gibt aber eine ungleiche Verteilung der Praxen zwischen den Stadtteilen.

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