Eigentümer lässt Mieter im Unklaren

Altes Henschelwerk: Skater und Künstler wegen Mietvertrag in Sorge

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In schlechtem Zustand: In die Produktionshallen des alten Henschelwerkes in Rothenditmold wurde seit vielen Jahren nicht mehr richtig investiert.

Rothenditmold. Auf dem Gelände des ehemaligen Henschelwerks Rothenditmold rumort es. Viele der gewerblichen Mieter wissen nicht, ob sie eine Perspektive auf dem Areal haben.

So läuft etwa der Vertrag des Skateboardvereins Mr. Wilson, der dort seit 2011 mit großem Aufwand eine neue Skateboardhalle aufgebaut hat, nächsten Sommer aus. Auf Bitten des Vereins, den Vertrag zu verlängern, habe der Immobilienverwalter Grand City Property aus Zypern bisher nicht reagiert.

Die unklare Perspektive für den Skateboardverein hat unmittelbare Folgen. So sollten die Skateboarder eigentlich am gestrigen Freitag von Staatsministerin Priska Hinz 50.000 Euro aus einem Bund-Länder-Förderprogramm erhalten (siehe unten). Weil ihre Bleibe aber nicht langfristig gesichert ist, gibt es vorerst kein Geld. Für den Verein wäre die Nichtverlängerung der Verträge verheerend, denn er musste seit 2006 bereits zweimal neue Domizile aufbauen.

Mit viel Aufwand aufgebaut: Die Skateboardhalle in der Kesselschmiede des alten Henschelwerkes in Rothenditmold.

Der Skateboardverein ist mit seinem Problem nicht allein. Auch unter den in dem Industriedenkmal angesiedelten Künstlern und Musikern gibt es Unmut. Bislang habe jeder für seine Ateliers und Proberäume separate Mietverträge, so Tobias Böhm vom Netzwerk Hammerschmiede, in dem die Künstler zusammengeschlossen sind. Jetzt fordere der Eigentümer, dass das Netzwerk sämtliche Flächen anmiete und Untermietverträge mit den Bands und Künstlern abschließe.

Miete soll steigen

Die neuen Mietvertragsentwürfe der Grand City Property sähen außerdem gestaffelte Mietpreiserhöhungen vor. Dabei werde die Bausubstanz immer schlechter, und in den Wintermonaten seien viele Räume wegen der alten Fenster kaum nutzbar. Die jetzigen Konditionen lägen im Schnitt bei 2,50 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten.

Aus Sicht der Künstler sind auch die geforderten Kündigungsfristen von drei Monaten problematisch. „Um Fördergeld beantragen zu können, braucht man langfristige Mietverträge“, sagt Böhm.

Im Clinch mit dem Vermieter liegt auch das im alten Henschelwerk ansässige Technikmuseum. Zwar haben die Museumsmacher für eine ihrer Hallen einen zehn Jahre laufenden Mietvertrag, doch gibt es Streit um eine Erweiterungsfläche. In dieser zusätzlich belegten Halle stehen zwar bereits Exponate, doch nach HNA-Informationen soll ein bereits ausformulierter Vertrag für diese Flächen vom Vermieter nicht unterschrieben worden sein. Offiziell heißt es: „Die Verhandlungen sind nicht einfach“, so Bernd Scott vom Technikmuseum.

Nach Auskunft der Stadt hat Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) den Eigentümer um ein persönliches Gespräch gebeten, um die Perspektiven des Geländes zu erörtern. Auf eine gestrige Anfrage der HNA teilte das Unternehmen mit, dass man noch dabei sei, ein langfristiges Nutzungskonzept zu erarbeiten.

Für die Projekte gibt es auch Geld

2,2 Mio. Euro für Kassel 

Die Stadt Kassel erhält aus dem Bund-Länder-Programm der Städtebauförderung dieses Jahr 2,2 Mio. Euro. Das Geld wird für folgende Projekte verwendet:

• Friedrich-Ebert-Straße und Königsstraße: 606.000 Euro gibt es für diese Bereiche. Ein Teil fließt in die Arbeit des Stadtbüros Friedrich-Ebert-Straße, die bis 2019 gesichert wird. Zudem wird Geld für die Aufwertung des Grünzuges „Grüne Banane“ im Vorderen Westen eingesetzt. So soll bis Sommer 2016 der Stadtplatz Annastraße entstehen. Weitere Mittel fließen in die Königsstraßensanierung und die Pflanzung von Bäumen dort.

• Quartier Brückenhof: 238.000 Euro werden in ein Projekt zur Aufwertung der Außenanlagen der GWH-Häuser Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1-23 und Heinrich-Plett-Str. 62-84 gesteckt. Mit dem Geld soll vor allem die Planung dafür erarbeitet werden.

• Kulturbahnhof / Rothenditmold: 796.000 Euro werden zum einen für eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung des Nordflügels des Kulturbahnhofs investiert. Von dieser Summe werden zudem Querungshilfen auf der Wolfhager Straße geschaffen, der Ortskern Rothenditmold aufgewertet, ein Bauabschnitt des Zukunftshauses finanziert und die Umkleiden des Sportplatzes Mittelfeldstraße saniert. Zudem wird eine Machbarkeitsstudie für die Nutzung des Werkes Rothenditmold durch Kulturschaffende erstellt.

• Wesertor: 549.000 Euro gibt es für die Verbesserung von Gehwegen und Parkplätzen an der Ysenburgstraße, einen Fuß- und Radweg zwischen Fuldatalstraße und Klärwerk sowie die Umgestaltung des Schulhofes des Goethe-Gymnasiums.

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