Wohnen, Gewerbe und Kulturwirtschaft?

Henschel: Bislang kein konkretes Konzept für denkmalgeschütztes Gelände

Kassel. Das Werk Rothenditmold zählt nach dem Salzmann-Verkauf zu den letzten Industriedenkmälern in Kassel. Doch die Zukunft des Geländes ist ungewiss. Ein konkretes Konzept fehlt.

Was der neue Investor, die zypriotische Grand City Property, auf dem alten Henschelgelände vorhat, darüber herrscht bei den ansässigen Betrieben und Mietern noch Unklarheit. Auch das Technikmuseum befinde sich derzeit noch in Gesprächen mit dem neuen Besitzer, bestätigt Scott. „Wir würden gern die Räumlichkeiten des Museums erweitern“, sagt er. Die Industriestandorte Mittelfeld und Rothenditmold hatten im Februar 2014 den Besitzer gewechselt. Sie gehören jetzt den Immobilienfonds Alemory Grundstücks GmbH. Dahinter verbirgt sich der zypriotische Investor Grand City Property. Wie bereits berichtet, verkommt auch das Werk Mittelfeld immer mehr, auch dort sind die Mieter unzufrieden.

Konzept wird entwickelt 

Auf HNA-Nachfrage heißt es vom Investor, zurzeit würden Potenzial und Möglichkeiten für die Zukunft gesichtet. Aktuell würden verschiedene Nutzungskonzepte entwickelt, aus denen in den kommenden Wochen weitere Schritte abgeleitet würden. Denkbar sei eine Mischform von Wohnen, Gewerbe und Kulturwirtschaft. Außerdem werde laut Investor geprüft, wie die ortsansässigen Mieter in ein zukunftsträchtiges und wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept integriert werden könnten. Zum Thema Denkmalschutz wollte sich der neue Investor zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Zu Besuch auf dem alten Henschelgelände

Langfristig planen zu können, darauf hoffen auch weitere Mieter, wie beispielsweise der Skateboard-Verein Mr. Wilson. „Unser Mietvertrag wurde 2011 mit dem alten Besitzer für fünf Jahre abgeschlossen“, sagt Matthias Weiland, Geschäftsführer des Skateboard-Vereins. Man habe bereits Kontakt mit dem neuen Investor gehabt, aber konkret wisse man noch nicht, was auf dem Gelände jetzt passieren solle. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit seien in die Hallen in der ehemaligen Kesselschmiede investiert worden und es gebe noch jede Menge ungenutztes Potenzial. „Es wäre gut, wenn wir endlich Planungssicherheit hätten“, sagt Weiland. Gedanken um ihre Zukunft machen sich auch die rund 60 Mitglieder des Vereins Netzwerk Hammerschmiede. Bildende Künstler und Musiker haben sich hier zusammengeschlossen. Bislang haben alle einzelne Mietverträge. „Unser Ziel ist aber ein längerfristiger Gesamtmietvertrag“, sagt Ruth Lahrmann, Vorstandsmitglied des Vereins. Nur dann sei es möglich, Fördergelder von Stadt und Bund für den Verein zu bekommen. Man habe den neuen Eigentümer, also Vertreter der Grand City Property, bislang zweimal getroffen. Doch der Kontakt sei zäh.

Das sagt die Stadt

„Beim Landesamt für Denkmalpflege wird die Wolfhager Straße 109 als Gesamtanlage und Sachgesamtheit geführt“, sagt Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher der Stadt Kassel. Alle baulichen Veränderungen seien daher über die Untere Denkmalschutzbehörde zu genehmigen.

Vonseiten des Investors sei ein Sanierungs- und Nutzungskonzept zu entwickeln. Im November 2014 hätten die Vertreter der Eigentümergesellschaft ihre damaligen Pläne im Bereich Logistik und Gewerbe bei der Stadt Kassel vorgestellt.

Ein Entwicklungskonzept der Eigentümer, das eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kulturwirtschaft verfolge, sei bislang nicht bekannt. Eine Wohnnutzung sei in dem derzeitigen Gewerbegebiet aber nicht zulässig, so Happel-Emrich.

Von der einstigen Betriebsamkeit ist am Mittwochnachmittag in dem Werk Rothenditmold wenig zu sehen. Die 40 000 Quadratmeter große Fläche an der Wolfhager Straße scheint im Tiefschlaf zu liegen. Der Großteil der unter Denkmalschutz stehenden Hallen steht leer. „Die meisten Industriebetriebe sind schon länger weg“, sagt Bernd Scott vom Technikmuseum, das ebenfalls auf dem Gelände angesiedelt ist. Um größere Unternehmen hier zu halten, müssten die Hallen erst saniert werden. Außerdem seien für die Industrie Räumlichkeiten in Autobahnnähe reizvoller.

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