Rothenditmold feiert Jubiläum

Blick in ein ehemaliges Bauerndorf: Dieser Kasseler Stadtteil ist 700 Jahre alt

Vor dem Krieg: Blick auf die Wolfhager Straße im Jahr 1928. Im Hintergrund ist die Valentin-Traudt-Schule zu sehen. Im Vordergrund das frühere Postamt. An dieser Stelle (Wolfhager Straße 170) befindet sich heute das 2016 neugebaute Familienzentrum des Kinderschutzbundes. Foto: Archiv Rothenditmold

Rothenditmold. Der Kasseler Stadtteil Rothenditmold feiert in diesem Jahr sein 700-jähriges Bestehen. Erstmals wurde „Rodendeytmelle“ in einer Urkunde des Klosters Breitenau 1317 erwähnt. 

In keinem anderen Stadtteil ist die Veränderung vom landwirtschaftlich geprägten Dorf zum Industriestandort so deutlich zu spüren wie in Rothenditmold. Wurde früher an den Hängen des Rothenbergs noch Wein angebaut, prägt heute dichte Wohnbebauung diesen Teil Rothenditmolds. Das Werk Mittelfeld, das zwischen dem Rothenberg und der Holländischen Straße liegt, zählt zu den letzten traditionsreichen Industriestätten in Kassel.

Seinen Namen hat der Stadtteil von der rötlichen Färbung des dortigen Erdbodens. Eine erste Nennung des Ortes „Roden-Ditmelle“ gab es 1219. „Ditmelle“ taucht auch in dem benachbarten Stadtteil Kirchditmold auf. Ditmelle bedeutet so viel wie Gericht. Die erste urkundliche Erwähnung Rothenditmolds „Rodendeytmelle“ mit Siegel stammt aus dem Jahr 1317.

1845 fuhren in Rothenditmold die ersten Eisenbahnzüge. 1876 entstehen der Rangierbahnhof, das Bahnausbesserungswerk und der Unterstadtbahnhof. Die funktionierenden Schienenwege waren die Grundvoraussetzung für die Industrieanlangen der Unternehmen Henschel und Wegmann.

Dörfliche Idylle: Ein Mädchen steht 1935 in einem der Vorgärten der Gründerzeithäuser in der Engelhardstraße.

Durch die Industrie wuchs die Bevölkerung Rothenditmolds innerhalb eines halben Jahrhunderts bis zur Eingemeindung in die Stadt Kassel von 486 auf 5500 Einwohner. Seit 1906 ist Rothenditmold ein Stadtteil Kassels. Für eine Vereinigung mit der Stadt sprach auch der seit 1900 vorhandene Straßenbahnanschluss, später wurde die Linie stillgelegt. Weit über die Grenzen Rothenditmolds hinaus sorgte der Bau der Rothenberg-Siedlung für Schlagzeilen. Architekt Otto Haesler entwarf im Bauhausstil Wohnungen für ärmere Familien. Es sollten 2500 Einheiten in Stahlbauweise entstehen. Die 1933 an die Macht gelangten Nationalsozialisten lehnten allerdings den Bau ab. Zu diesem Zeitpunkt waren nur 207 Wohnungen fertig.

Die Rothenbergsiedlung bot für die Arbeiter unter damaligen Verhältnissen viel Komfort. Als architektonische Meisterleistung steht sie heute unter Denkmalschutz. Das Problem der Wohnungsnot begleitet den Stadtteil seit seiner Eingemeindung, da durch die vielen Industrieflächen und Bahnanlagen kaum mehr Flächen für Wohnbebauung vorhanden sind.

Bei den Einwohnern gibt es eine hohe Fluktuation. Neben Studenten, die wegen der Nähe zur Uni in Rothenditmold leben, wohnen dort überwiegend Bürger mit geringem Einkommen. Viele der Einwohner haben einen Migrationshintergrund.

Stadtteil in Zahlen

2 größere Grünanlagen gibt es im Stadtteil: Wegmannpark und Döllbachaue.

3 Kleingartenvereine prägen Rothenditmold. Der KGV Döllbachaue, der KGV Rothenditmold und der KGV Rothenberg.

46 Jahre ist es her, dass 1971 die Straßenbahn-Strecke nach Rothenditmold stillgelegt wurde.

251 Die Bundesstraße 251 führt mitten durch den Stadtteil. Sie trennt den alten Rothenditmolder Ortskern rund um die Engelhardstraße von der Wohnsiedlung auf dem Rothenberg.

276 Hektar beträgt die Fläche des Stadtteils. Eine Ausweitung der Wohnflächen ist aufgrund der starken räumlichen Eingrenzung durch zahlreiche Schienenwege und Industrieanlagen kaum mehr möglich.

7145 Einwohner hat der Stadtteil Rothenditmold. Bei der Eingemeindung im Jahr 1906 waren es 5500.

Rothenditmold mit Straßenbahnanschluss: Eine Straßenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Wolfhager Straße.

Vorprogramm: 

Sonntag, 20. August, 11 Uhr: Gemeindefest der ev. Kirche Rothenditmold, Wolfhager Straße 180. 

Freitag, 25. August, 14 Uhr: Vier-Tore-Fest mit Angeboten für Kinder, Kuchen und Getränke, Josef-Fischer-Straße. Samstag, 26. August, 11 Uhr: Projekt „ZusammenSpiel“ im Programm „Hessen lebt Respekt“, Gestaltung Vielfaltzaun und Hoffest beim Sozialen Friedensfest, Am Marienhof. 

Samstag, 26. August, bis Sonntag, 3. September: Rothenditmolder Portraits, Fotoausstellung in der Rothen Ecke, Naumburger Straße 20a. Samstag, 26. August, 11 Uhr: 111 Jahre Spielverein 06, Vereinsheim und Sportplatz, 17 Uhr: Musikschulfest beim Stimmatelier Horst Mengel, mit Vorspiel der Musikschüler, Philippistraße 23.

Vereinswoche: 

Sonntag, 27. August, 12 bis 15 Uhr: Auftakt der Fest- und Vereinswoche mit dem Zauberer Martinelli, Drum & Brass-Band, Tanzgruppe Anne-Frank-Haus, Prämierung der schönsten Geranien, Rudelsingen Volkslieder, Spielangebote für Kinder, Engelhardplatz. 

Dienstag, 29. August, 15 Uhr: Café im Rothen Haus beim Kinderschutzbund mit Caféhausmusik, Wolfhager Straße 170, 17 Uhr: „Von der Industriebrache zum lebendigen Quartier“, Führung durch die Siedlung am Heilhaus mit Architekt Mathias Tunnemann, Brandaustraße 10, 18.30 Uhr: Kulinarischer Abend am Heilhaus, Brandaustraße 10. 

Mittwoch, 30. August, 13 Uhr: Einweihung Spielplatz Heußnerstraße und Spieleangebote, 17 Uhr: Dartturnier 700 Jahre Rothenditmold im Volltreffer für Amateure, C- und B-Liga, fünf Euro Startgebühr mit Ausschüttung, Philippistraße 12, 19 Uhr: Konzert in der ev. Kirche, Trio Concertant, Wolfhager Straße 180. 

Donnerstag, 31. August, 17 Uhr: Erzählabend „Leben und Arbeiten in Rothenditmold“ mit Technik-Museum und Wahlbündnis AUF-Kassel. 

Freitag, 1. September, 11 Uhr: KunstDenkmal Stolpersteine für Hildeburg und Erich Weinert, Verlegung mit dem Verein Stolpersteine und Gunter Demnig, Schöfferhofstraße 2, 17 Uhr: Einweihung Ottokar-Knierim-Platz, Witzenhäuser Straße. 

Samstag, 2. September, 15 bis 22 Uhr: Großes Vereins- und Familienfest, musikalisch begleitet durch Sambatida (15 Uhr), Trommelgruppe Heilhaus (16 Uhr), Trio Liederkranz mit russisch-deutschen Liedern, Wegmann-Chor (16.30 Uhr), Boulevard-Orchester Horst Mengel (19-20.30 Uhr) und DJ. Internationale Gerichte und Wassermobil, „700 Stück Kuchen für 0,70 Euro“, Kinderprogramm durch Akero, Karussell, Gardetanz der Pääreschwänze und Blasrohrturnier. Stände der beteiligten Vereine und Initiativen, Teo-Design, Mr. Wilson, Abteilungen des Spielvereins 06 (Fußball und Tischtennis) stellen sich vor, das Heilhaus hat geöffnet, Gewerbepark Clasen, Brandaustraße 10, 20 Uhr: Nachtflohmarkt, Kesselschmiede, Brandaustraße 1-3. 

Sonntag, 3. September, 16 Uhr: Gottesdienst in der ev. Kirche Rothenditmold, Wolfhager Straße 180, 18 Uhr: Festkonzert in der ev. Kirche Rothenditmold, Klavierquartett & Orgel, Wolfhager Straße 180.

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