Investoren wollen am Marienkrankenhaus 60 Mietwohnungen einrichten

Bunkerumbau: Wohnen in der Festung in Kassel-Rothenditmold

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Wirkt wie eine Festung: Der Hochbunker am Marienkrankenhaus wurde ab 1941 gebaut. Im Hintergrund sieht man den Turm der katholischen Kirche St. Joseph.

Im Zweiten Weltkrieg waren sie ein Zufluchtsort. Nachdem sie jahrzehntelang verwaist waren, kehrt wieder Leben in Kassels Bunker ein.

In den festungsartigen Hochbunker am Marienkrankenhaus sollen in ein paar Jahren 60 Mietparteien einziehen. So sehen jedenfalls die Pläne der Investoren aus, die den Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft haben. Als Architekten und Planer fungiert das Kasseler Büro Groger Grund Schmidt (GGS), das auch den Hochbunker an der Gräfestraße für Wohnzwecke hergerichtet hat. Das neue Projekt ist aber drei bis vier Mal so groß wie das an der Gräfestraße.

Wer sich in dem Betongiganten mit über 4700 Quadratmetern Nutzfläche umschaut, der braucht noch etwas Fantasie, um sich hier ein adäquates Wohnumfeld vorzustellen. Aber die Vorzüge des größten Kasseler Hochbunkers, der ab 1941 für 4000 Schutzsuchende gebaut wurde, liegen auf der Hand. Durch seine Hanglage am Rothenberg gibt es einen unverbaubaren Blick auf den Herkules. Deshalb ist zu der nach Südwesten ausgerichteten Talseite der Anbau von Balkonen geplant.

Überhaupt sollen sich die Wohnungen in diese Richtung orientieren. Denn ein großer Teil des u-förmigen Gebäudes steht im Hang und hat deshalb kein Tageslicht. Um hier für Licht zu sorgen, wird dieser Teil abgebrochen. An seiner Stelle wird ein Innenhof entstehen.

Mit Investitionskosten von 20 Millionen Euro wird aktuell kalkuliert. Der zugewachsene Hang unterhalb des Bauwerks soll parkähnlich gestaltet werden. Die Zufahrt soll nicht vom Marienkrankenhaus erfolgen, sondern von der Vellmarer Straße.

Noch ist das Büro Groger Grund Schmidt in der Finanzierungsphase. Es ist noch unklar, ob wegen des Bauvolumens noch weitere Investoren ins Boot geholt werden sollen.

„Solche Projekte funktionieren nur, weil die Mieten in Kassel gestiegen sind. Vor einigen Jahren wäre so etwas noch nicht denkbar gewesen“, sagte Joachim Groger von GGS-Architekten bei einer ersten Vorstellung der Pläne. Geplant sind aber keinesfalls Luxuswohnungen zu horenden Mieten.

Groger hob hervor, dass sich der Stadtteil Rothenditmold – etwa durch das Engagement der Heilhaus-Siedlung – zuletzt gut entwickelt habe. Er geht davon aus, dass es aber noch einige Jahre dauern werde, bis er sich bei den Kasselern als attraktiver Wohnort etabliert habe.

Aktuell wird der Hochbunker noch als Lager für das Stadtmuseum genutzt. Wann genau der Umbau starten kann, ist noch unklar.

Für alle Kasseler Hochbunker gibt es inzwischen Käufer

Neben dem Bunker am Marienkrankenhaus gibt es fünf weitere Hochbunker in der Stadt, für die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) inzwischen Käufer gefunden hat. Wir stellen die Bunker kurz vor.

  • Gräfestraße: Der 1941 gebaute Hochbunker wurde bis 2018 aufwendig durch das Büro Groger Grund Schmidt (GGS) umgebaut. Es sind elf Wohnungen entstanden und ein neues Büro für GGS. Es handelt sich um einen der wenigen Tarnbunker, die in den Kriegsjahren gebaut wurden. Er wurde verklinkert und sollte aus der Luft wie ein Wohnhaus wirken.
  • Dormannweg: Der 1941 erbaute Hochbunker unweit der Leipziger Straße wurde vom Bremer Architektenbüro Mielke und Freudenberg gekauft, das sich auf Bunkerumbauten spezialisiert hat. Das Büro will dort 73 Proberäume und einen Veranstaltungsraum für Bands einrichten. Der Kasseler Verein Rockbüro wird die Vermietung an die Bands übernehmen. Die Arbeiten laufen bereits, die Fertigstellung ist für Mitte 2020 geplant.
  • Ahrensbergstraße: Den ehemaligen Führungsbunker, der 1939 unweit der Konrad-Adenauer-Straße erbaut wurde, hat die Bima vergangenes Jahr in einem Bieterverfahren an einen Investor verkauft. Den Käufer will die Bima nicht nennen.
  • Hafenstraße: Der ab 1943 erbaute Hochbunker an der Hafenstraße wurde ab 2016 von einem Ehepaar aus Staufenberg umgebaut, das sich damit seinen Wohntraum erfüllte. Sie wohnen dort aber nicht allein. Sie haben in dem Bunker weitere sechs Wohnungen eingerichtet.
  • Agathofstraße: Die Stadt Kassel baut den Bunker in Bettenhausen mit 1,7 Millionen Euro für die Kulturszene um. Auch ein Veranstaltungsraum entsteht. Laut Bima ist das Geschäft fest vereinbart. Bereits jetzt befinden sich im Bunker Proberäume, die wegen Brandschutzproblemen aber nicht alle genutzt werden können. Der ansässige Verein Rockbüro muss wegen des bis 2021 dauernden Umbaus in den Bunker Dormannweg umziehen.

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