Anwohner zeigen Widerstand

Investoren in den Startlöchern: Stadt erarbeitet Konzept für Blüthlinde in Kassel

Natur holt sich ehemaliges Kleingartengelände zurück: Die Blüthlinde wuchert mit Gräsern und Büschen zu. In der Mitte im Hintergrund ist die Turmspitze der Rothenditmolder Kirche zu sehen.
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Natur holt sich ehemaliges Kleingartengelände zurück: Die Blüthlinde wuchert mit Gräsern und Büschen zu. In der Mitte im Hintergrund ist die Turmspitze der Rothenditmolder Kirche zu sehen.

Rothenditmold - Die Natur erobert sich das mehr als neun Fußballfelder große Areal der „Blüthlinde“ zwischen Maybachstraße und Bahngelände an der Wolfhager Straße zurück. Einstige Pläne für das Gelände haben sich zerschlagen.

Die meisten Kleingärten sind abgeräumt, Büsche und Sträucher überwuchern die Fundamente der früheren Hütten. Vor drei Jahren hatte die Stadt schon mal Ideen für eine gemischte Bebauung mit Wohnungen und Gewerbe präsentiert. Dann tat sich lange nichts. Nun will das Rathaus ein Nutzungskonzept erarbeiten, unter anderem mit dem Ziel, auf dem derzeit als Grabeland ausgewiesenen Fläche unter anderem Baurecht zu schaffen. Darauf scheinen schon mehrere Investoren nur zu warten. Doch Gegner einer Bebauung wollen in dem Prozess ein Wort mitreden.

17 000 Quadratmeter des Areals, der Bereich, der an die Bahnanlage grenzt, gehört dem Gewerbepark Clasen, ein weiterer Teil der Stadt und auch der Bahn. Man habe Pläne aufgegeben, die Fläche zur Erweiterung des Betriebs selbst zu nutzen. „Wir wollen verkaufen“, sagt Geschäftsführerin Petra Aschmann. Sie habe schon etliche Anfragen von Investoren erhalten, die auf dem Gelände Bauprojekte realisieren wollen. Diese habe man aber vertrösten müssen, da die Zukunft des Areals noch ungeklärt sei. Die Stadt sei jetzt am Zug. Solange nicht klar sei, wie die planerischen und baurechtlichen Rahmenbedingungen aussehen werden, könne sie keine Zusagen machen. Das sei schließlich auch für die Investoren eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Der erste grobe Entwurf von 2019 solle nun in eine Konzeption einfließen, die sowohl klimatische, naturschutzrechtliche, und städtebauliche Aspekte als auch und die Infrastruktur berücksichtige. Ziel sei, ein urbanes Quartier zu schaffen, das Raum für Wohnen, Gewerbe, Begegnung und ausreichend Grünflächen bietet. Richtig planen könne man erst, wenn Investoren ihre Projekte der Stadt vorstellen. Der Verein Werkstatt Kassel sieht solche Pläne eher als Bedrohung für ein unberührtes Biotop, das für das relativ dicht bebaute Rothenditmold einzigartig sei. Drei Wochen lang hat der Verein mit Aktivisten und Künstlern im Rahmen einer Sommerwerkstatt das Areal erkundet und Ideen gesammelt. Zeitweise war auch das Erdforum Kassel mit von der Partie, eine offene Plattform, die von der amerikanischen Künstlerin und Professorin Shelley Sacks initiiert wurde und sich mit kreativen Mitteln für mehr Lebensqualität in urbanen Räumen einsetzt.

Die Blüthlinde sei als Frischluftschneise und Kaltluftgebiet für Rothenditmold unverzichtbar und ein Rückzugsgebiet für Vögel und Insekten. „Abends kommen hier die Zwergfledermäuse“, sagt Carmen Weidemann vom Vorstand des Vereins. Außerdem fehle es in Rothenditmold an ungestörten Treffpunkten für Jugendliche im Freien. Die Blüthlinde müsse zum Gewinn für den Stadtteil werden.

Karsten Winnemuth vom Erdforum verlangt eine stärkere Bürgerbeteiligung, wenn es um die Zukunft des Gebiets geht. Diese sei bei ähnlichen städtebaulichen Vorhaben in der Vergangenheit zu kurz gekommen. Die Stadt könne ja weitere Flächen auf dem Areal selbst erwerben, um diese für die Natur zu sichern. (Peter Dilling)

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