Valentin-Traudt-Schule

Kassel: Vierbeiner im Unterricht -  Schulhund Mila in der Frösche-Klasse

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Ob Würfeln oder am Glücksrad drehen: Spiel und Spaß stehen für Hündin Mila und die Erst- und Zweitklässler aus der „Frösche“-Klasse an der Valentin-Traudt-Schule im Vordergrund. Dahinter steht aber ein pädagogisches Konzept.

Ein Vierbeiner im Unterricht?  Hündin Mila erfüllt in ihrer Klasse an der Valentin-Traudt-Schule vielfältige Aufgaben.

Kassel - Wenn morgens an der Tür zum Klassenraum ein Schild hängt, wissen die Schüler der „Frösche“-Klasse in der Valentin-Traudt-Schule direkt Bescheid. „Mila freut sich auf dich!“, ist darauf zu lesen. Und ebenso wie sich Schulhündin Mila auf ihre Klasse freut, freuen sich auch die Schüler auf den aufgeweckten Golden-Retriever-Mischling mit dem rotbraunen Fell.

Frauchen und Lehrerin Hanna Schober unterrichtet die Klasse zusammen mit einer Kollegin. Hier lernen Erst- und Zweitklässler gemeinsam – und Mila ist regelmäßig mit von der Partie. Man könnte denken, dass ein Hund in der Klasse die Kinder vom Lernen ablenkt, doch das Gegenteil sei der Fall. 

Klasse ist motivierter und konzentrierter

„Schulhunde haben eine positive Wirkung auf Schüler, Lehrer und das Klassenklima“, sagt die 29-jährige Pädagogin. Beim Kontakt zwischen Menschen und Hunden würden Hormone ausgeschüttet, was eine beruhigende Wirkung habe. 

Ihre Klasse sei durch die Anwesenheit von Mila motivierter und konzentrierter. „Der Hund nimmt jeden so, wie er eben ist und das mögen die Kinder.“

Was für Mila und die Schüler zum Teil wie ein Spiel aussehen mag, ist Teil eines pädagogischen Konzepts. Wenn Mila Zahlen würfelt oder am Glücksrad dreht, dann ist das mit konkreten Aufgaben verbunden. Der Würfel wird für Rechenaufgaben genutzt, das Glücksrad bestimmt den Schüler, der von seinem Wochenende erzählen darf.

Im Umgang gibt es Regeln

Auf einem großen Plakat im Klassenraum ist festgehalten, worauf die Kinder achten sollen, wenn Mila zu Gast ist. Zum Beispiel darf sie immer nur von einem Schüler gestreichelt werden und auch ihren Namen sollen die insgesamt 22 „Frösche“ nicht einfach rufen. Und wer im Unterricht gut mitarbeitet, der darf Mila mit einem Leckerli

füttern.

Hanna Schober absolvierte zusammen mit Mila eine 60-stündige Ausbildung, die mit einer Prüfung für Mensch und Tier abschloss. Die sei zwar rechtlich nicht vorgeschrieben, allerdings sehr wichtig und empfehlenswert. Da geht es dann um Themen wie Stressmanagement für den Hund, aber auch um Rechtliches oder den sinnvollen Einsatz im Unterricht.

Nicht jeder Hund ist geeignet

„Entscheidend ist der Charakter des Hundes.“ Gutmütig und stressresistent müsse er sein. Und natürlich den Kontakt zu Kindern mögen. Eine Garantie, dass sich ein Hund auch als Schulhund eignet, gebe es nicht. „Hunde sind eben Lebewesen, die sich entwickeln und verändern.“ Bei Mila ging alles gut.

Weil ein Kind am Anfang Angst hatte, war Mila immer angeleint. Der Schüler habe sich langsam angenähert und nach einigen Tagen die Angst überwunden. „Das Kind gibt das Tempo vor“, das ist Schober sehr wichtig.

Es gebe auch Kinder, die wegen ihres Glaubens ein distanziertes Verhältnis zu Hunden haben. Die Interaktion mit dem Tier geschehe aber immer auf freiwilliger Basis. Insgesamt werde Mila aber sowohl von der Klasse als auch von den Eltern positiv aufgenommen. 

Nach ihren Erfahrungen mit Mila engagiert sich Schober nun selbst als Dozentin und wird ab diesem Jahr in Homberg bei den „Pfotenpädagogen“ Lehrer und ihre Hunde ausbilden.

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